EZB: "Im Schneckentempo Richtung Zinssenkung"

Die Euro-Skulptur in Frankfurt am Main vor dem Gebaeude der Europaeischen Zentralbank.
Die Euro-Skulptur in Frankfurt am Main vor dem Gebaeude der Europaeischen Zentralbank.(c) AP (Michael Probst)
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Inflation hier, Finanzkrise da: Die Europäische Zentralbank steckt in der Klemme. Bei der Entscheidung am Donnerstag wird der Leitzins trotzdem nicht angetastet, so die übereinstimmende Meinung von Experten.

Die Zinsen im Euro-Raum bleiben voraussichtlich zunächst unverändert. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird den Leitzins an diesem Donnerstag bei 4,0 Prozent belassen, schätzen Volkswirte übereinstimmend. Auch aus EZB-Kreisen in Frankfurt verlautete, trotz der überraschend starken Zinssenkung in den USA gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaft im Euro-Raum ähnlich stark abschwäche wie in Amerika.

Überspitzt formuliert, sitzen die Währungshüter in einer Falle. Einerseits befindet sich die Inflation im Euro-Raum derzeit auf einem neuen Rekord: 3,2 Prozent betrug die Teuerung im Januar dieses Jahres. Und im Dezember legte der Verbraucherpreisindex in Österreich sogar um 3,5 Prozent zu.

Um eine weiter steigende Teuerungsrate abzuwehren, müsste die EZB eigentlich dringend durchgreifen und den Leitzins erhöhen. Die Notwendigkeit eines solchen Vorgehens hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in der Vergangenheit mehrfach betont.

Andererseits ist da die Finanzkrise in den USA, die auch europäische Großbanken mit nach unten reisst und die globale Konjunktur in eine Rezession zu stürzen droht. Die amerikanische Notenbank Fed hat bereits die Notbremse gezogen. Innerhalb von acht Tagen senkte sie ihren Leitzins massiv um 1,25 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent. Das erhöht zusätzlich den Druck auf die EZB, den Leitzins für den Euro-Raum ebenfalls zu senken.

Zinssenkung im Frühjahr erwartet

Analysten rechnen trotzdem erst im Frühjahr oder Sommer mit einer Zinssenkung. Mit Spannung werden aber an diesem Donnerstag Hinweise von Trichet auf den weiteren Kurs der Notenbank erwartet.

Für die Ökonomen von UniCredit ist zumindest die Tendenz klar: "Die EZB wird sich im Schneckentempo in Richtung Zinssenkung bewegen", schreiben sie in einer Mitteilung. Eine rasche Kehrtwende sei nicht zu erwarten.

Befürchtet wird zudem, dass die Gewerkschaften hohe Lohnerhöhungen durchsetzen können, um die inflationsbedingten Kaufkraftverluste auszugleichen. Das würde wiederum die Teuerung weiter anheizen.

Daher müssten sich sowohl die Arbeitnehmer als auch die Unternehmer zurückhalten - das fordert Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und gleichzeitig Mitglied im EZB-Rat. "Es gilt, die Inflation dauerhaft zu senken."

(Ag./Red.)

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