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Säfte: Der verschwiegene Vorarlberger Getränke-Riese

Im vergangenen Geschäftsjahr erhöhte sich der Umsatz von Rauch auf 691 Mio. Euro.

WIEN (mk). Das, was 1919 als kleine Lohn-Mosterei für die Bauern in der Umgebung begann, die ihre Birnen und Äpfel zu Saft pressen ließen, ist heute Österreichs größter Fruchtsafthersteller. Auf 691,3 Mio. Euro Umsatz kam das Vorarlberger Unternehmen Rauch im Vorjahr laut der „Wirtschaftspresseagentur.com“ – 13,2 Prozent mehr als 2006. Zum Vergleich: Konkurrent Pfanner kommt „nur“ auf rund 200 Mio. Euro Umsatz, vor 20 Jahren lag der Rauch-Umsatz noch bei rund 76 Mio. Euro.

Was Rauch beflügelte, ist einerseits die Abfüllung von Red Bull. Insider schätzen, dass mehr als die Hälfte des Rauch-Umsatzes dem Energydrink verdankt wird.

Aber auch der Export und das Österreich-Geschäft der Rauch-Marken Happy Day, Bravo und Rauch Ice Tea laufen sehr gut. Der Marktanteil im Fruchtsaftbereich im österreichischen Handel sei 2007 von 37,4 auf 37,8 Prozent gestiegen. Bei Eistee liege der Marktanteil bei nahezu 67 Prozent, sagt Firmensprecher Daniel Wüstner. Rauch liefert in mehr als 90 Länder weltweit, der Exportanteil der Gruppe liegt bei fast 59 Prozent. Vor allem in Richtung des arabischen Raums sollen die Geschäfte florieren.


125.000 Liter pro Stunde

Die Firmengruppe Rauch (inklusive der Bludenzer Brauerei Fohrenburg) beschäftigte im Vorjahr im Durchschnitt 1314 Mitarbeiter, um etwa 80 mehr als im Jahr davor. Rauch unterhält insgesamt sechs Produktionsstandorte, nämlich am Firmensitz in Rankweil (Bezirk Feldkirch), in Nüziders (Bezirk Bludenz), in Widnau (Schweiz) sowie in Ungarn, Serbien und Bulgarien. Allein in Nüziders können 125.000 Liter im Getränkekarton, 300.000 Dosen, 80.000 PET-Flaschen und bis zu 40.000 Glasflaschen pro Stunde abgefüllt werden. Ertragszahlen nennt Rauch prinzipiell nicht.

Auch ansonsten gibt sich die Familie verschwiegen: Die Übergabe der Geschäftsführung von Franz Rauch an Sohn Jürgen im Jahr 2004 ging still und leise von statten, der 63-jähriger Roman Rauch ist weiterhin teil der Geschäftsführung. Bekannt ist nur, dass die Brüder Roman und Franz Rauch gute Netzwerker sind: Das zeigt allein ein Blick in das Firmenbuch, das den 67-jährigen passionierten Jäger Franz Rauch als Aufsichtsrat von Unternehmen wie beispielsweise Bank Austria, Generali, ÖBB Holding und Wienerberger ausweist. Zu den Freunden der Familie sollen Spar-Chef Gerhard Drexel, der Ex-Banker Guido Schmidt-Chiari und Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz gehören.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2008)