Pavian-Weibchen, die mehr väterliche Aufmerksamkeit erfahren haben, bekommen mehr Junge.
Mütterliche Fürsorge bewirkt, dass die Kinder im späteren Leben erfolgreicher sind und selbst mehr Kinder bekommen, also, wie die Biologen sagen, „fitter“ sind. Darauf können sich alle Primatenforscher einigen. Die Rolle der Väter wird dagegen meist gering geschätzt. Vor allem von Arten, bei denen sowohl Männchen als auch Weibchen sexuell promiskuitiv sind, denkt der darwinistisch geschulte Beobachter gern: Da kümmern sich die Männchen gewiss nicht um ihre Kinder, die wissen gar nicht, welches von ihnen ist, sie schauen lieber dazu, dass sie das nächste zeugen!
„Das wissenschaftliche Dogma war, dass in solchen Gesellschaften die Männchen nicht zur Fitness ihres Nachwuchses beitragen“, bestätigt Susan Alberts, Biologin an der Duke University: „Man nahm nicht an, dass sie sich in einem Ausmaß kümmern, das irgendeinen Unterschied macht.“
Beistand bei Raufereien um Nahrung
Umso überraschter war Alberts über die afrikanischen Steppenpaviane (Papio cynocephalus) – die ein typischer Fall von beidseitiger Polygamie sind, allerdings mit matrilokalem Charakter, d.h. die Weibchen bleiben in der Gruppe. Bei der Auswertung von Beobachtungsdaten von 118 Pavianen am Kilimandscharo aus drei Jahrzehnten kam heraus, dass es eben doch einen Unterschied macht, ob sich der Vater kümmert oder nicht. Die Männchen können offenbar sehr wohl unterscheiden, welches Kind von ihnen ist, sie helfen ihren leiblichen Kindern vor allem in „antagonistic encounters“, also, schlichter gesagt, bei Raufereien (Pnas, online 4.2.).
Und das wirkt sich auch auf deren Fitness aus, zumindest bei Töchtern. Das konnten die Biologen um Alberts bisher allerdings nur in einem Kriterium nachweisen: Die Töchter mit fürsorglicheren Vätern werden früher geschlechtsreif – was ihren Fortpflanzungserfolg steigert, einfach, weil sie mehr Lebenszeit zur Fortpflanzung haben. Auch bei Söhnen wirkt sich die väterliche Fürsorge in dieser Richtung aus, aber nur, wenn der Vater zur Zeit ihrer Geburt in der Pavian-Gesellschaft einen hohen Rang hatte(und somit seinen Sohn gut gegen Angriffe anderer Männchen verteidigen kann).
Eine Erklärung für den Einfluss aller Väter auf ihre weiblichen Nachkommen, so Alberts, ist, dass sie ihre Töchter bei der Nahrungssuche vor weiblicher Konkurrenz beschützen. Damit bewirken sie, dass diese besser ernährt und früher reif sind. „Und es könnte auch helfen, den Alltagsstress in einer Pavian-Gruppe zu reduzieren.“
VÄTERLICHE AFFEN
Bei den Lisztaffen („Saguinus oedipus“) übernehmen die Väter fast die ganze Kinderaufzucht (Füttern, Hegen, Reinigen), die Weibchen beschränken sich auf das Säugen – und suchen sich den nächsten Partner.
Auch bei Springaffen sind die Männchen sehr kinderlieb – und leben um 20Prozent länger als Weibchen. Hier besteht eine Korrelation: Bei Schimpansen, wo die Väter sich gar nicht kümmern, leben die Weibchen um 42Prozent länger. Bei Menschen sind es zirka acht Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2008)