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Spanien: Zapatero droht katholischer Kirche

(c) AP (Gregorio Borgia)
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Die spanischen Sozialisten haben der katholischen Kirche mit Finanz-Kürzungen gedroht, falls diese sich nicht aus der Politik heraushält. Die Kirche hatte ihren Schäfchen indirekt nahe gelegt, die Sozialisten nicht zu wählen.

Die spanischen Sozialisten unter Premier Jose Luis Rodriguez Zapatero haben die katholischen Kirche aufgefordert, sich nicht in die Politik einzumischen. Andernfalls könnte der Staat die finanzielle Unterstützung einstellen.

Hintergrund des Konflikts: Die katholische Kirche Spaniens ist mit der aktuellen Regierung unter der Führung der Sozialisten unzufrieden. Sie nimmt ihr vor allem die Einführung der "Homo-Ehe" und die gescheiterten Verhandlungen mit der baskischen Terrororganisation ETA übel. Die spanische Bischofskonferenz hat das fünf Wochen vor den Parlamentswahlen am 9. März in einer Botschaft an ihre Schäfchen zum Ausdruck gebracht: "Nicht alle Parteien" hätten ein Programm, das mit dem Glauben und den christlichen Werten zu vereinbaren ist, hieß es in der Erklärung. Die sozialistische Partei wurde zwar nicht ausdrücklich genannt. Allerdings zählten die Bischöfe Initiativen wie die "Homo-Ehe" auf und schlossen: Wer derartige Initiativen ergreife, sei für einen gläubigen Katholiken nicht wählbar.

Diplomatisches Treffen im Vatikan

Die von der sozialistischen PSOE angeführte Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero sieht in dem Brief eine einseitige Parteinahme für die konservative Oppositionspartei PP (Volkspartei). Sie beauftragte zunächst ihren Vatikan-Botschafter, ihre Kritik an den "parteipolitisch agierenden" Bischöfen im Vatikan vorzubringen.

Nach dem Treffen im Vatikan sprach man zwar von einem "konstruktiven Klima". Der Vertreter des Vatikans, Erzbischof Fernando Filoni, stellte aber auch klar, dass ein "Wahl-Hirtenbrief" durchaus in der Kompetenz einer nationalen Bischofskonferenz läge.

Jährlich 153 Mio. Kirchensteuer

Die Sozialisten gingen daher jetzt einen Schritt weiter: PSOE-Sprecher Jose Blanco erklärte am Dienstag: "Sollte es eine neue, parteiliche Einmischung in die Politik geben, bleibt diese nicht ohne Reaktion". Er kündigte Schritte an, die zur "Eigenfinanzierung der katholischen Kirche" führen könnten.

Derzeit erhält die katholische Kirche Spaniens jährlich rund 153 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen aus der Kirchensteuer. Außerdem unterstützt der Staat kirchliche Krankenhäuser, Privatschulen und katholische Hilfsorganisationen jedes Jahr mit fast vier Milliarden Euro.

(APA/Red.)