Russland hat der Ukraine wegen angeblich ausstehender Rechnungen erneut damit gedroht, den Gas-Hahn zuzudrehen. Sollte Kiew nicht sofort seine Schulden in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar (1,03 Mrd. Euro) begleichen, müsse ab kommendem Montag mit einer Unterbrechung der russischen Lieferungen gerechnet werden, sagte ein Sprecher des staatlich kontrollierten Gasmonopolisten am Donnerstagabend.
Die Ukraine ist wichtigstes Transitland für russisches Erdgas nach Europa. Beim Gasstreit zwischen beiden Ländern vor zwei Jahren war es auch bei den Endkunden in der Europäischen Union vorübergehend zu Engpässen gekommen.
Russland hatte zuletzt mehrfach einen Lieferstopp angedroht. Auslöser des jüngsten Streits sind verringerte Lieferungen von relativ billigem Gas aus Zentralasien über Russland an die Ukraine. Russland sah sich deshalb in den vergangenen Monaten gezwungen, mehr von dem eigenen Gas beizusteuern, wodurch sich der Gesamtpreis erhöhte.
"Wenn die Ukraine dieses Problem nicht bis Montag aus der Welt schafft, muss Gazprom die Lieferung von russischem Gas an die Ukraine einstellen", sagte der Gazprom-Sprecher. Der drohende Lieferungsstopp sollte sich nicht auf die Gasversorgung der EU auswirken. Gazprom habe versichert, dass es zu keiner Unterbrechung der Gaslieferungen in die EU kommen werde, teilte EU-Energiekommissar Piebalgs am Donnerstagabend mit.
Am Vormittag war eine Expansion der Gazprom angekündigt worden: Der Gasmonopolist steht vor dem Kauf der gesamten Gasförderung des Exxon-Mobil-Projekts Sachalin 1 im Osten Sibiriens. Ein entsprechender Vertrag werde im April oder Mai unterzeichnet, sagte der stellvertretende Firmenchef Ananenkow. Das wäre ein weiterer Schritt Russlands, große Energiereserven wieder unter die Obhut des Staates zu bringen.
(APA)