Digitale Cantuccini, knusprig-subversiv

Überall Quartiere – diesen österreichischen Hang zum Kollektivghetto muss einem mal wer erklären. Neuester Zuwachs.

Das „Foundation(s) Quartier“, dieser unsägliche Nullname, unter dem seit 1.Jänner die zuvor einzeln bestens profilierten Kunstbewegungen von Bawag und Generali ihr Dasein fristen müssen. Getrennt voneinander und dennoch gemeinsam oder so.

Darüber 2008 allerdings immer noch zu jammern wäre noch fader als das, was dort seither passiert: nämlich nichts. Keine anhaltenden Proteste, keine pathetischen Verschwesterungen, keine zumindest bekannt gewordenen Intrigen. Immerhin, flatterte vorgestern die elektronische Kunde herein, dass zumindest der Bawag-Part des „F(s)Q“ im Mai wieder an (Ausstellungs-)Arbeit denkt. Sehr brav.

Ähnlich brav entwickelt sich laut Museumsquartier-Chef Wolfgang Waldner die digitale Subkultur in seinem Reich. Zur Belohnung gab es dafür gestern einen gratis „Raum D“ im „Quartier 21“. Etwa in der Gegend, wo einst das „Depot“ seine Clique mit strengem Kunstkammer-Diskurs versorgte. Dieser wird unter „monochromer“ Leitung jetzt wohl noch strenger. Aber vielleicht tut man der Tech-Hack-Pop-Piraten-Szene ja unrecht, wenn man, wie unlängst die FAZ, schreibt, sie sei völlig over.

Wahrscheinlich sind die Deutschen nur sauer, weil wir ihnen in Berlin gerade (fast) alle „Transmediale“-Preise abgeräumt haben, mit den „uebermorgen.com“-Aktivisten und dem Wiener Performer Gordan Savicic.

Trotzdem. Netzkünstler gehören in Computerkeller und an Unorte wie den Arenberg-Flakturm, wo ihr „Paraflow“-Festival stattfindet. Und müssen sich doch bitte wirklich nicht in radikal normalbürgerlich frequentierten Quartieren mit penetrantem Caffè-Latte-Anschluss selbst pseudo-institutionalisieren und so tun, als wären sie die knusprig subversiven Cantuccini dazu.


almuth.spiegler@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2008)

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