Die Wiederkehr der Rambo-Politik

Die Zahlen lügen nicht: John Sidney McCain III. wird der nächste Präsident der USA.

Fans der sympathischen Heulsuse Hillary Clinton und des smarten Vorzeige-Demokraten Barack Obama werden so wie ich und die sensibleren Kombattanten des Feuilletons bitter enttäuscht sein – aber wenn die Magie stimmt, die unsere diskrete Zahlenabteilung just am Aschermittwoch ausgerechnet hat und die wir nun leichtsinnig preisgeben, kann es am ersten Dienstag im November nur einen Sieger geben:

John Sidney McCain III. wird der nächste Präsident der USA.

Ein deutliches Zeichen dafür hat bereits der in vielen erfolgreichen amerikanischen Friedensmissionen gestählte Schauspieler Sylvester Stallone gesetzt. Ohne Furcht und Zittern unterstützt er im Vorwahlkampf den konservativen Senator aus Arizona. Dessen rechter Rivale Mike Huckabee aus Arkansas predigt den Sieg nur mit Hilfe des Brutalo-Filmstars Chuck Norris – eindeutig die zweite Wahl.

Zu Beginn seiner Wahlkampfauftritte lässt McCain die Fanfare von Stallones Boxer-Film „Rocky“ ertönen, der domestizierten Vorform des wüsten Rambo. Allein dessen Stimme zählt, wie jeder patriotische Amerikaner seit dem Sieg von Ronald Fürchtegott Reagan Anfang der Achtzigerjahre weiß. Nach der Schmach eines rücksichtsvollen Präsidenten Jimmy Carter (Panama! Teheran!!) kam die Morgenröte der Reaktion. Und die trägt einen Namen, den Bannfluch gegen alle ausländischen Widerlinge und inländischen Weichlinge eben: „Rambo kehrt zurück!“

Die mathematischen Indizien sind unwiderlegbar, denn der Amerikaner an sich ist ein Serientäter: Immer wenn Rambo im Kino auftaucht, sind die Rechten stark. 1982 („Rambo I“) steht B-Movie-Star Ronny noch in der Blüte seiner präsidialen Jugend, seine Partei verteidigt die Mehrheit im Senat. 1985 („Rambo II“) leistet Reagan zum zweiten Mal den Eid auf Bibel und Schwert, er beginnt, sich für die Welt da draußen zu interessieren und kann sogar schon entlegene Hauptstädte buchstabieren. 1988 („Rambo III“) können die Republikaner selbst mit dem blassen, auf mich persönlich immer besonders ölig wirkenden Präsidenten-Ersatz George Bush senior siegen, einem ehemaligen CIA-Chef.

Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu: 2008 kommt „Rambo IV“. Die Republikaner haben einen Kandidaten, dessen heldenhafter Vietnam-Einsatz selbst das cineastische Double Stallone wie einen durch die Umstände fehlgeleiteten Liberalen aussehen lässt.

Der vierte Teil des Hollywood-Epos spielt übrigens in Burma, das liegt irgendwo zwischen Vietnam und Iran. Damit sich also Amerika-Interessierte darauf einstellen können, was uns binnen eines Jahres aus Washington erwartet, die wichtigsten Regeln im Umgang mit Rambo: Bleiben Sie daheim! Meiden Sie exotische Gegenden wie Pakistan oder Maryland! Gehen Sie niemals in den Wald! Dort ist Rambo zuhause. Nicht immer nämlich hat er sich betend ins Kloster zurückgezogen.


norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2008)

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