Tschad: 16 Tonnen Munition für Déby

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Frankreich soll direkt in die Schlacht um N'Djamena eingegriffen haben. EU gibt grünes Licht für neuen Aufmarsch.

WIEN/PARIS. Die französischen Fallschirmjäger und Fremdenlegionäre gingen vor Hotels in Stellung, eskortierten in ihren Schützenpanzern ausländische Bürger zum Flughafen und brachten sie außer Landes. Das eine oder andere Mal griffen die Soldaten zwar dabei zur Waffe – aber stets nur, um die Ausländer zu schützen. In die Gefechte zwischen Tschads Regierung und den Rebellen griffen sie nicht ein. Das ist die Version, die das offizielle Frankreich über seine Rolle bei den jüngsten Kämpfen im Tschad verbreitet.

Was französische Zeitungen am Freitag berichteten, passt hingegen so gar nicht in dieses Bild vom „neutralen“ Frankreich. Paris habe Tschads Machthaber Idriss Déby 16 Tonnen Munition geliefert, berichtete die Tageszeitung „Le Figaro“. Zudem hätten französische Einheiten den Kampf gegen die Rebellen „koordiniert“ und die Aufständischen bei der Verteidigung des Flughafen beschossen.

Gnade für „Arche de Zoé“

Machthaber Déby schien sich am Freitag auch bereits erkenntlich zu zeigen. Er ließ anklingen, er sei bereit, die wegen „Kindesentführung“ verurteilten Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Arche de Zoé“ zu begnadigen. Sie sitzen derzeit ihre Strafe in Frankreich ab.

Paris dementiert freilich, direkt in die Kämpfe eingegriffen zu haben. Es will keinesfalls parteiisch erscheinen, um nicht die Mission der EU-Truppe Eufor zu gefährden, die im Osten des Tschad Flüchtlingslager schützen soll. Wegen des jüngsten Angriffs von Aufständischen auf Tschads Hauptstadt hat die EU den Aufmarsch der Truppe vorläufig gestoppt.

Wie die „Presse“ erfuhr, gaben die EU-Staaten dem Oberkommandierenden der Tschad-Mission, General Pat Nash, am Freitag aber wieder grünes Licht, die Entsendungen ab nächster Woche wieder aufzunehmen. Die an dem Einsatz beteiligten Staaten sind sich zwar im klaren, dass noch nicht alle Gefahr gebannt ist und die Operation vielleicht noch einmal abgebrochen werden muss. Das Risiko sei aber tragbar, lautete die allgemeine Einschätzung.

„EU muss sichtbar werden“

Auch für Brigadier Walter Feichtinger vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement wäre es ein Fehler, den EU-Einsatz abzubrechen. Es gehe darum, dass die EU in Afrika sichtbar werde und langfristig als „Erzeuger von Sicherheit“ Ansehen gewinne – etwa mit Hilfseinsätzen wie im Tschad, sagt Feichtinger zur „Presse“. Das helfe den Europäern dabei, in Afrika als Wirtschaftspartner akzeptiert zu werden. Zudem erhalte die EU Gelegenheit, zur Lösung von Regionalkonflikten beizutragen, die Auswirkungen auf die Sicherheit Europas haben.

So würden Konflikte und humanitäre Katastrophen in Afrika für Flüchtlingswellen in Richtung Europa sorgen. „Dieses Denken über den europäischen Horizont hinaus ist in der europäischen Bevölkerung aber noch nicht vorhanden und muss erst erlernt werden“, meint Feichtinger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2008)

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