Sabrina Filzmoser gewann den Super-Weltcup in Paris – ein zweites Mal nach 2006. Die Privatpilotin darf sich gedanklich auf den Flug zu den Olympischen Spielen vorbereiten.
PARIS. Wie unterschiedlich doch zwei Siege im Super-Weltcup an ein und derselben Stätte sein können. Damals vor zwei Jahren, sagt Sabrina Filzmoser, habe sie ohne Druck kämpfen können. „Heuer waren die Vorzeichen ganz anders. Das Feld war viel stärker, für viele war das Turnier wichtig im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation oder zumindest ein wichtiger Test vor dem Großereignis.“ Auch für sie selbst. Dass sie das Turnier vor 15.000 Zusehern in Paris-Bercy ein zweites Mal gewinnen konnte, sei für sie „ein ganz wichtiger Impuls für meine Karriere“, gestand die 27-jährige Oberösterreicherin.
Das Olympia-Ticket hat sie zwar trotz des Siegs noch nicht definitiv in der Tasche, dafür muss sie noch alle vom ÖOC vorgeschriebenen Limits erreichen. Der Reise zu den Olympischen Spielen im August nach Peking ist sie aber mit dem Erfolg einen gewaltigen Schritt näher gekommen.
Beeindruckend war die Art mit der sich die mehrfache Militär-Weltmeisterin und EM-Dritte 2007 zum Sieg durchgekämpft hatte. In der Vorrunde hatte sie Mi-Yun Yang (Kor), Maria Lindberg (Sd), Ketleyn Lima Quadros (Bra) und Barbara Harel (F) jeweils mit Ippon besiegt. Auch im Finale der Klasse bis 57 Kilogramm gelang es ihr von Beginn an, die Chinesin Yan Xu unter Druck zu setzen. Filzmoser benötigte anstatt der maximal 25 Minuten bloß zwölf Minuten, um auch diesen Kampf durch Ippon zu beenden.
Kein Vergleich mit Olympia
Ein Vergleich des Bewerbs in Paris mit dem Olympiaturnier aber hinke, gibt Filzmoser zu bedenken. „In Peking ist das Feld noch stärker, Glück und Pech bei der Auslosung der Gegnerinnen fallen dann nicht mehr so sehr ins Gewicht.“ Zudem sei bei keinem anderen Turnier die internationale Aufmerksamkeit so groß wie bei den Spielen, nicht einmal bei einer Weltmeisterschaft.
Der weitere Fahrplan ist logischerweise gänzlich auf Peking ausgerichtet: Drei hervorragend besetzte internationale Trainingslager in Europa sind vorgesehen, dazwischen intensive Einheiten mit Coach Klaus-Peter Stollberg und die Europameisterschaften in Lissabon von 11. bis 13. April.
Höhepunkt im Olympia-Countdown ist aber das Trainingscamp in Hong-Kong zu dem die österreichische Delegation Ende Juli aufbricht. Dort, sagt ÖJV-Sportdirektor Taro Netzer, sollen sich Filzmoser, Ludwig Paischer und Co. den letzten Schliff holen. Die Reise nach Peking selbst wollen die Judoka relativ kurzfristig antreten, um sich dem Rummel im Vorfeld bestmöglich entziehen zu können. Zudem hätten die Bedingungen in Hong-Kong westlichen Standard, sagt Netzer, der das Quartier schon vorab besichtigt hat.
Aus dem Turniergeschehen wollen sich Sabrina Filzmoser und Claudia Heill, die Olympia-Zweite von Athen hat das Ticket für Peking ebenfalls in Griffweite, wegen der Verletzungsgefahr weitestgehend heraushalten und die anstehenden Events in Hamburg und Budapest auslassen. Beide hatten in der Vergangenheit mehrfach mit Verletzungen zu kämpfen. Filzmoser, die in Wels die HTL für Maschinenbau und mittlerweile auch die Ausbildung zur Privatpiloten absolvierte, hat besonders das „Seuchenjahr“ 2004 in negativer Erinnerung: Zuerst erlitt sie einen Bandscheibenvorfall, danach wurde ein Nierenstein diagnostiziert. Und später zog sie sich bei einem Mountainbikeunfall und dem Sturz mit dem Gesicht durch die Heckscheibe eines Autos auch noch schwere Schnittwunden zu.
Herren-Weltklasse in Wien
Während die Damen kommende Woche pausiert, wollen die österreichischen Judo-Herren beim Weltcup-Turnier in der Eventpyramide in Vösendorf ihren Heimvorteil ausnützen. Franz Birkfellner (-100 kg) ist nach Rang sieben in Paris hoch motiviert auch Ludwig Paischer, der sich mit WM-Bronze im Vorjahr schon für ein Olympia-Nationenticket gesorgt hatte. Der Bewerb in Vösendorf verspricht insgesamt ein Highlight zu werden, haben mittlerweile doch 538 Judoka aus 58 Nationen genannt.
MIT 67 BEI OLYMPIA
www.oejv.comJapan entsendet den 67-jährigen Dressurreiter Hiroshi Hoketsu zu den Olympischen Spielen. Er war das erste Mal bereits 1964 in Tokio im Zeichen der Fünf Ringe am Start. „Wenn du ein Ziel hast, dann kannst du auch ein wenig jung bleiben“, sagte Hoketsu.
Er löst als ältester Olympia-Teilnehmer Kikuko Inoue (Jap) ab, die ebenfalls im Dressurreiten 1988 in Seoul 63-jährig gestartet war.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2008)