Vertrauensanwalt des Bankiers drückte laut Medien im August dubiosen Aktienrückkauf durch.
WIEN (go).Ein Bericht des Nachrichtenmagazins „Profil“ liefert ein schlagkräftiges Indiz dafür, dass der Bankier Julius Meinl V. entgegen wiederholten Aussagen sehr wohl beherrschenden Einfluss auf die börsenotierte und angeschlagene Immobilienfirma Meinl European Land (MEL) hatte.
Konkret geht es um eine außerordentliche Hauptversammlung der MEL-Teilhaber vom 23. August 2007. Ein einziger Tagesordnungspunkt stand damals zur Debatte: Das „Board of Directors“ der MEL sollte zum Rückkauf von MEL-Anteilsscheinen ermächtigt werden. „Debatte“ beschreibt das Geschehen auf dieser Hauptversammlung allerdings nicht korrekt. Denn der Rückkauf wurde mit 99,99 Prozent abgesegnet.
In der Folge gab MEL 1,8 Mrd. Euro dafür aus, eigene „Aktien“ (die sich später nicht als österreichische Aktien, sondern als Zertifikate auf Aktien auf der britischen Kanalinsel Jersey entpuppten) an der Börse zurückzukaufen. Dadurch sollte der Kurs gestützt werden, der im Sommer 2007 ebenso wie jene anderer Immobiliengesellschaften abzusacken begann.
Meinl V. weist Verdacht zurück
Allerdings kaufte die MEL-Führung die eigenen Papiere erstaunlich teuer ein – und vernichtete somit nach Ansicht renommierter Bankexperten Wert. Was wiederum den MEL-Eigentümern missfallen müsste. Darum kam bald der Verdacht auf, der Bankier Julius Meinl V. lenke indirekt über Strohmänner die Geschicke von MEL – und schere sich dabei wenig um die Klein-„Zertifikateure“.
Der neue „Profil“-Bericht erhärtet diesen Verdacht. Denn ein einziger der 110 bei der Hauptversammlung Anwesenden hielt demnach eine satte Mehrheit von 82,4 Prozent des anwesenden stimmberechtigten Kapitals. Dieser dominante Teilhaber war der Anwalt Roland Frankl von der Sozietät Hausmaninger Kletter Rechtsanwälte.
Der Clou: Kanzleichef Christian Hausmaninger ist der Vertrauensanwalt von Julius Meinl V. Der Hausmaninger-Mitarbeiter Frankl wiederum hielt die MEL-Papiere treuhändisch. Für wen, wollte er nicht sagen: Er steht für Medienanfragen nicht zur Verfügung.
Auch Meinl V. weist gegenüber dem „Profil“ die Verantwortung von sich. „Ich bekleide bei MEL keine Funktion. Ich führe eine Bank und kein Immobiliengeschäft. Daher konnte die Meinl Bank den Zertifikatsverkauf weder anordnen noch orchestrieren.“ MEL teilte mit, ihr sei „nicht bekannt, wer die Anteilseigner sind und welche Inhaber von bestimmten Personen vertreten wurden.“
Bemerkenswert ist auch, dass MEL per 30. Juni 2007 rund 52 Mio. eigener Anteilsscheine zurückgekauft habe. Laut „Profil“ waren zum Zeitpunkt der Hauptversammlung am 23. August 2007 aber schon mehr als 80 Mio. Stück angekauft. Bis zum Ende dieser Kursrettungsmaßnahme am 29.August kaufte MEL 88,8 Mio. Zertifikate zurück. Allerdings erfolglos: Der MEL-Kurs stürzte seit Anfang August von knapp über 21 Euro auf zuletzt 8,36 Euro.
AUF EINEN BLICK
Am 23. August 2007 beschlossen die Teilhaber der Immobilienfirma Meinl European Land (MEL), dass die MEL-Führung eigene Anteilsscheine an der Börse zurückkaufen darf.
82,4 Prozent der MEL-Stimmen hielt damals ein Anwalt als Treuhänder. Für wen, sagt er nicht.
Allerdings arbeitet der Anwalt für jene Kanzlei, die den Bankier Julius Meinl V. berät.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2008)