Studie: Kreditwachstum im grünen Bereich

Gestiegene Kreditvolumina im Osten machen Experten – noch – keine Sorgen.

WIEN (mk). Im Baltikum und in Südosteuropa könnten Kredite bald Mangelware werden, warnten Experten der Bank Austria vor kurzem. Eine Studie der Oesterreichischen Notenbank (OeNB) malt nicht ganz so schwarz: Das Ausmaß der Verschuldung in den meisten Ländern sei bisher durch den ökonomischen Aufholprozess erklärbar, das Kreditwachstum liege also noch im grünen Bereich.

Näher angeschaut wurde dabei das erreichte Ausmaß der Kreditvergabe an Haushalten und Unternehmen (in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) im Vergleich zum allgemeinen Entwicklungsstand der Volkswirtschaften. Per Ende 2006, so die OeNB-Studie, sei das Ausmaß der Kreditvergabe in Polen, Rumänien und Tschechien niedriger ausgefallen als dies dem Entwicklungsstand dieser Volkswirtschaften entsprechen würde. „In den anderen untersuchten zentral- und osteuropäischen Ländern haben die Kredite an Unternehmen und private Haushalte bereits eine Größenordnung erreicht, die in etwa der ökonomischen Situation dieser Volkswirtschaften entspricht“, heißt es in der Studie.

Vorsicht bei Lettland, Kroatien

Allerdings müsse man auf Lettland und Kroatien besonderes Augenmerk lenken, denn dort nähere sich das Ausmaß der Kreditvergabe bereits der Obergrenze. Insofern wäre es schlecht, wenn die Kreditdynamik dort anhalten oder sich gar verstärken würde, so die Experten der OeNB.

In Lettland sind die Löhne im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen. Die Verbraucherpreise im Jänner sind gegenüber dem Jänner 2007 um 15,8 Prozent gestiegen. Damit hat sich der Preisauftrieb abermals beschleunigt und erreichte den höchsten Stand seit September 1996. Im Dezember waren die Preise um 14,1 Prozent gestiegen. Die Regierung hat zwar ein neues Maßnahmepaket zur Dämpfung der Inflation angekündigt. Das Leistungsbilanzdefizit fiel mit 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hoch aus. Daher steigt die Sorge, dass die Banken Kredite abschreiben müssen.

„Das Problem ist, dass die einstige Wachstumsregion Baltikum möglicherweise gar nicht wachsen wird“, sagt Fredrik Gutenberg, Analyst bei Cheuvreux in Stockholm im „Handelsblatt“. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt von Lettland mit plus 10,9 Prozent erneut zweistelliges gewachsen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2008)

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