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Deutschland: Peymann auf der Flucht vor Kritikern

(c) AP (Fritz Reiss)
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Intendant des Berliner Ensembles erntet Verrisse für „RichardIII.“ und seine Teheran-Reise.

Wäre das Gastspiel des Berliner Ensembles in Teheran nicht seit langem geplant gewesen, hätten Spötter gestichelt, Claus Peymann nehme Reißaus vor den Verrissen des deutschen Feuilletons. Denn es hagelte üble Kritik an seiner Neuinszenierung von Shakespeares „RichardIII.“.

Vor 21Jahren hatte der Theaterdirektor mit Gert Voss in der Titelrolle einen Triumph am Burgtheater gefeiert. Inzwischen ist nicht nur die Freundschaft mit dem Schauspieler in die Brüche gegangen: Eine „Abdankung“ konstatierte die „Süddeutsche Zeitung“, Peymann habe die Welt Shakespeares verspielt. Die FAZ bekrittelte die „Anmutung eines Wahlabends im Fernsehen“. „Das Brisante fand nicht auf der Bühne, es fand außerhalb des Theaters statt.“ Denn: Vor dem Spree-Ufer am Schiffbauerdamm hatten sich zwei Dutzend Demonstranten versammelt, um gegen Peymanns Reise in den Iran zu protestieren. Das Berliner Ensemble gastiert derzeit mit Brechts „Mutter Courage“ beim Teheraner Theaterfestival. Die hauptsächlich aus Exil-Iranern bestehende Gruppe prangerte den „Verrat an der Aufklärung“ an und geißelte die islamische Diktatur. Peymann strich dagegen die Bedeutung heraus, „in einem vom Krieg bedrohten Land“ ein Antikriegsstück zu spielen – eine Anspielung auf die Drohkulisse in den USA und Israel. Dies sei keine Demonstration für oder gegen ein politisches System, sondern ein Geschenk ans Publikum der iranischen Hauptstadt. Dennoch kommt das Gastspiel zu einem heiklen Zeitpunkt. Zum Nationalfeiertag am Montag bekräftigte Irans Präsident Mohammed Ahmadinejad die nuklearen Ambitionen seines Landes. vier
Meinung Seite 39

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2008)