Blouin: Mehr Wirtschaftsmacht durch Kunst

(c) L.T. Blouin Found.
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Interview: Louise Blouin MacBain, Herausgeberin von Magazinen wie „Art + Auction“ und www.artinfo.com, spricht heute beim Wiener UN-Forum gegen Menschenhandel.

Die Mischung aus Charity und Kunst auf höchstem Niveau ist selten in Österreich. Noch seltener ist die Personalunion von knallharter Businesslady und ähnlich bedingungsloser Philanthropin. Die Kanadierin Louise Blouin MacBain vereint diese Welten noch dazu mit der Nonchalance einer Selfmade-Millionärin. Die einstige Investmentbankerin war Pionierin im Internet-Publishing, bevor sie sich dem Kunstmarkt und seinen ihrer Meinung nach völkerverbindenden Qualitäten zuwandte: 2002 stand sie dem Auktionshaus Phillips, de Pury & Luxembourg als CEO vor, dann gründete sie „Louise Blouin Media“, kaufte u.a. Branchenmagazine wie „Art + Auction“, „Gallery Guide“, „Modern Painters“ und rief www.artinfo.com ins Leben.

Das Internetportal zeigt sehr gut, wie Blouin ihre Markt- und Gesellschaftsinteressen miteinander verbindet: Dass alle Informationen über Kunst und Markt hier gratis abrufbar sind – „auch der Inhalt von Hochglanzmagazinen wie ,Art & Auction‘“ –, ist Blouin sehr wichtig. Vorigen Sommer startete sie noch dazu die Internetplattform www.myartinfo.com, die sich als eine Art soziales Netzwerk für die globalisierte Kunstgemeinde entwickeln soll.

Wenn Koons auf Kissinger trifft

In Wien weilt Blouin allerdings nicht primär im Auftrag der Kunst, sondern im Auftrag ihrer 2006 gegründeten Globalisierungsplattform, einem Think Tank, in dem jeden September Staatsoberhäupter, Künstler und Wirtschaftsbosse wie Henry Kissinger, Kroatiens Präsident Mesic oder Jeff Koons gemeinsam nachdenken sollen. Im Rahmen des ersten Wiener UN-Forums gegen Menschenhandel wird sie heute, Donnerstag, einige der hier besprochenen Ideen präsentieren. Die Hauptanliegen: wirtschaftliche Unabhängigkeit und kultureller Dialog.

Voraussetzung dafür ist jedoch kulturelle Bildung, die in westlichen Schulen vernachlässigt wird, so Blouin. China hat das am besten erkannt. So erklärt sich für die Geschäftsfrau auch der Boom der chinesischen Kunst: „Das ist keine Modeerscheinung. Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Wachstum von Wirtschaft und Kultur. Je unabhängiger die Wirtschaft eines Landes, desto mehr Künstler wird man finden“, erklärt Blouin. „Die chinesische Regierung arbeitet an der Eröffnung von 2000 Museen, Vermittlungsprogramme werden entwickelt, Kunstgeschichte-Lehrstühle errichtet, Ateliers gestiftet. China versteht, dass Kunst die DNA der kulturellen Verständigung ist.“

Extrem schnelles Wachstum in Indien

Nach China scheint – zumindest am Kunstmarkt – aber schon Indien nachzurücken. Und auch Blouin besuchte vor wenigen Wochen Mumbai, Delhi, Varanasi. „Die Kunstindustrie entwickelt sich dort extrem schnell. Vor einem Monat haben wir www.myartinfo.com auch in Hindi gestartet.“ Die chinesische Seite existiert schon länger, in wenigen Wochen werden noch eine russische und eine arabische Version ins Netz gestellt.

Blouin interpretiert den Begriff „Kunstmarkt“ gerade für diese Länder weiter als gewohnt: „In den Fällen Indien und China glauben wir fest daran, dass die Kunst Frauen auch mehr Macht geben kann. So sollten hier etwa Jobs im Kunstbereich gefördert werden, sie sind für Frauen eher akzeptiert, bringen sie aber genauso in Kontakt mit der Wirtschaft.“ Wichtig dafür sei vor allem eine Dezentralisierung, Kunstschulen, Museen, Galerien müssten auch fernab der Zentren eingerichtet werden, erklärt die Kanadierin: „Damit der immer noch mit der Kunstwelt verbundene Elitarismus gebrochen wird.“

ZUR PERSON

Louise Blouin MacBain, 1958 in Montreal geboren, ist Präsidentin von „Louise Blouin Media“, zu der u.a. die Magazine „Art + Auction“, „Modern Painters“ gehören. Das virtuelle Aushängeschild der Gruppe ist „www.artinfo.com“. Seit 2007 wird mit „www.myartinfo.com“ versucht, ein globales Künstler-Netzwerk aufzubauen. 2006 wurde die „Louise T Blouin Foundation“ für den kulturellen Dialog gegründet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2008)

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