Obama zieht an Clinton vorbei

(c) AP (Rick Bowmer)
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USA. Der Senator aus Illinois siegt in drei weiteren Staaten. Hillary Clinton rüstet zur Schlacht um Texas.

WIEN/WASHINGTON. Er weiß, die Menge zu begeistern, sich genau auf die Bedürfnisse seines Publikums einzustellen. Etwa wenn er auf seiner Wahlkampf-Tour durch die USA mit einfachen Worten seine Nahost-Politik skizziert: „Ich werde dafür sorgen, dass neue Schulen im Nahen Osten gebaut werden. Damit man den Menschen dort Mathematik lehrt und nicht den Hass auf die USA.“

Und er weiß, dass ihm sein Publikum glaubt, wenn er – die Hand in der Hosentasche – über sich selbst erzählt. Darüber, dass er in Kalifornien einen Tag lang einer gewissen Pauline Baker bei der Hausarbeit geholfen hat, um selbst zu spüren, wie schwer das Leben für viele Amerikaner ist.

„Ich verstehe eure Sorgen. Ich bin einer von euch.“ Mit dieser Botschaft konnte Barack Obama bisher vor allem Junge und Afroamerikaner auf seine Seite ziehen. Doch nun wildert der demokratische Präsidentschaftskandidat auch in Wählerschichten, die eigentlich seiner Konkurrentin Hillary Clinton zugetan sind: Neueste Umfragen zeigen, dass Obama etwa bei Frauen, Hispanics und älteren Wählern dazugewonnen hat.

Eine alarmierende Nachricht für Clintons Team, just einen Tag, nachdem Obama die Vorwahlen in Virginia, Maryland und Washington D.C. für sich entschieden hat. Der Senator aus Illinois hat nun mehr Delegiertenstimmen gesammelt als die einstige First Lady.

Vorsprung bei Delegierten

Doch das Rennen ist noch nicht zu Ende. Bis zum Parteitag im Sommer, auf dem die Demokraten ihren Präsidentschaftskandidaten küren, gilt es noch einige Schlachten zu schlagen. Ein kleineres Gefecht wartet kommende Woche in Wisconsin. Die nächste große Schlacht steht dann am 4. März bevor. Dann geht es um Texas und Ohio.

Mit einem Sieg in Texas und Ohio könnte Clinton den Spieß wieder umdrehen. Und bisher war sie zuversichtlich, Obama in beiden Staaten leicht schlagen zu können. „In drei Wochen werden wir durch Texas hindurch fegen“, rief die Senatorin aus New York noch am Mittwoch ihren begeisterten Anhängern in El Paso zu. Doch so rosig sieht es für sie nicht mehr aus.

Zwar führt Clinton die Umfragen in Texas und Ohio noch klar an. Doch Obama konnte den Abstand zu ihr nun deutlich verkürzen. Sein neuer Erfolg bei den Hispanics dürfte mit ein Grund dafür sein. Sie sind eine wichtige Wählergruppe in Texas und waren bisher loyal zu den Clintons. Immerhin hatte Hillarys Mann Bill als US-Präsident die Latinos mit umfangreichen Sozialprogrammen gefördert.

Obama beeindruckt mit seinem jüngsten Siegeszug auch immer mehr von jenen Demokraten, die ihn zu Beginn als unerfahren kritisierten. Und das Werben um die Sympathie der Basis schafft ohnehin keiner so überzeugend wie er: „Ich bin kein perfekter Mann. Ich werde kein perfekter Präsident sein. Aber ich werde immer ehrlich sein und euch immer zuhören.“ Obamas Manager im Sucher S. 35

IN ZAHLEN

Barack Obama kann laut CNN-Berechnungen nun auf die Unterstützung von 1215 demokratischen Delegierten zählen. Hillary Clinton hat nur 1190 Delegierte hinter sich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2008)

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