Der Preisauftrieb in Österreich, der sich seit August 2007 merklich verstärkt, ist zum Teil "hausgemacht". Das sagte Direktor Josef Christl von der Österreichischen Nationalbank am Freitag. Im Energiebereich herrschen zu wenig Transparenz und Wettbewerb, im Lebensmittelsektor fehlt ein Preismonitoring und die Budgetdisziplin der Regierung lässt zu wünschen übrig, besagt eine aktuelle OeNB-Studie.
Heuer steigt die Inflation voraussichtlich von 2,2 auf 2,8 Prozent, 2009 sollte sich die Teuerung wieder mehr in Richtung zwei Prozent beruhigen, erwartet die OeNB und revidierte ihre Teuerungsprognose damit erneut nach oben. Im Dezember waren die heimischen Notenbanker noch von einem Preisauftrieb von 2,4 Prozent ausgegangen, Anfang Februar von plus 2,6 Prozent. Doch: "Der Peak sollte überschritten sein", räumten OeNB-Volkswirten ein.
"Was uns auch wehtut: Italien ist preisstabiler als wir", so Christl. Denn in Österreich steigen die Preise deutlich rascher als im Euroraum. In puncto Preisstabilität sei Österreich innerhalb eines Jahres vom 3. Platz auf den 8. Rang abgerutscht.
In Sachen Inflationsbekämpfung kritisierte die Nationalbank die Wirtschaftspolitiker des Landes. "Das Budgetdefizit ist uns eindeutig zu hoch und wirkt inflationstreibend", vermisst Christl "mehr Ambition" bei der Senkung des Defizits. "Wir sind besorgt, ob die Steuerreform 2010 wirklich leistbar ist - gemessen an diesem Budgetkurs."
Als "hausgemachte" Inflationsfaktoren nannte die Nationalbank die Anhebung der Mineralölsteuer. Im Energiesektor brauche Österreich "mehr Transparenz und Wettbewerb". Der öffentliche Sektor sei im Vorjahr auch mit seinen "überdurchschnittlich starken Gebührenerhöhungen" als Preistreiber tätig gewesen. Die Experten der Nationalbank halten zudem ein Preismonitoring in den Bereichen Gas/Strom sowie Nahrungsmittel/Handel für sinnvoll. Auch bei den Nahrungsmitteln ortet die OeNB Handlungsbedarf.
(APA)