Unsauberes Geld in der frischen Bergluft

Saubermann Deutschland steckt in der Krise: Nach zahlreichen Firmenskandalen wird das Land nun von einer Steuerdebatte erschüttert.

Mehr als 1000 betuchte deutsche Bürger stehen im dringenden Verdacht, über drei Milliarden Euro an Steuergeldern in Liechtenstein hinterzogen zu haben – nachdem Steuerfahndern über Vermittlung des Bundesnachrichtendienstes (!) eine CD mit den Namen deutscher Kunden der fürstlichen LGT-Bank zugespielt wurde.

Wenn auch für alle Verdächtigen die Unschuldsvermutung gilt, ist wohl davon auszugehen, dass die Gelder nicht nach Liechtenstein verfrachtet wurden, damit sie einmal die schönen Berge sehen. Eines steht jetzt schon fest: Deutschland kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Nach der Bordell-Affäre bei VW, dem Korruptionsskandal bei Siemens stehen nun Wohlhabende im Verdacht, den Staat um Milliarden geprellt zu haben.

Die Linke wird die Sache zu nutzen wissen und einen Generalangriff auf das marktwirtschaftliche System starten. Die Argumentationslinie ist klar: Während Arme immer ärmer würden, treten gut verdienende Eliten gegen Mindestlöhne auf, sacken selbst horrende Summen ein, um diese dann auch noch „steuerschonend“ nach Liechtenstein zu bringen.

Wer das hört, zeigt gerne mit dem Finger auf vermeintliche Steuerhinterzieher. Auch, wenn man gerade die eigene Wohnung vom netten Herrn aus Polen hat ausmalen lassen. Schwarz, versteht sich. Dabei gibt es gegen schlechte Steuermoral taugliche Mittel: Niedrige Steuern und beinharte Strafen für Sünder. (Bericht: S. 21)


franz.schellhorn@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2008)

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