ATX: Worst-Case schon eingepreist

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Profitieren sollen jene ATX-Unternehmen, die stark in der Wachstums-Region Osteuropa verankert sind. Bei Immobilien-Aktien dürfte das Schlimmste vorbei sein.

Wien (red.).Manager von Österreich-Aktienfonds hatten es zuletzt nicht leicht. Bis 2007 war es jedem von ihnen gelungen, den ATX Prime zu schlagen. Nicht so in den vergangenen Monaten. Seit Beginn des Jahres liegen vier Fonds hinter dem ATX Prime, immerhin acht hinter dem ATX und nur ein Einziger erzielte eine positive Rendite. Im Schnitt verloren Anleger mit Österreich-Aktienfonds 11,6 Prozent.

Doch was können Investoren für die Zukunft erwarten? Und wie sollen sich langfristig orientierte Anleger jetzt verhalten? e-fundresearch.com hat exklusiv für die „Presse“ mit jenen Managern von Österreich-Aktienfonds gesprochen, die über die letzten fünf Jahre ihren Anlegern den höchsten risikoadjustierten Ertrag (Sharpe Ratio) einbrachten.

Auf Platz eins liegt der Meinl Equity Austria. Er ist auch der einzige Fonds, der seit Jänner 2007 trotz der Subprime-Krise einen positiven Ertrag erzielen konnte. „Der Fonds war das gesamte letzte Jahr bei Finanzwerten stark untergewichtet“, erläutert Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Meinl Bank.

„Für 2008 rechne ich mit null Wachstum im ATX. Doch diese Seitwärtsbewegung ist ein toller Markt für Stockpicker“, betont Matejka. Langfristig ist er optimistisch. Österreich habe sich in Osteuropa gut positioniert und die Region sei auch weiterhin „die europäische Wachstumsreserve“. Jedoch werde sich die Ostfantasie in den kommenden Jahren ändern: „Es wird einen Fokus auf das unterschiedliche Wachstum geben. Beispielsweise sehen sich die Banken in Osteuropa zwei Geschwindigkeiten gegenüber. Ein paar Länder in Osteuropa werden stark performen, etwa Russland oder die Türkei. Andere Länder können da nicht mithalten.“

Hoffnung für Immobilienaktien

Der zweitbeste Fonds der vergangenen fünf Jahre ist der Austria Stock von Pioneer Funds Austria. Fondsmanager Friedrich Erhart bewertet das Osteuropa-Engagement österreichischer Unternehmen ebenfalls positiv. Zwar sei der Wettbewerbsvorteil von Osteuropa geschrumpft – Gründe dafür sind überbezahlte Akquisitionen, stark gestiegene Lohnkosten und ein Mangel an Facharbeitern –, aber „Wachstum und Gewinnmargen liegen noch deutlich über dem westeuropäischen Niveau“, so Erhart.

Der Experte ist aber nicht nur deswegen optimistisch für den heimischen Aktienmarkt. „Ein Großteil des Worst-Case-Szenarios ist in den aktuellen Aktienkursen bereits vorweggenommen.“ In diesem Umfeld bieten zyklische Werte daher sowohl Potenzial als auch Risiko. Denn sie werden von einem Konjunkturrückgang am heftigsten getroffen. Wenn es dann doch nicht so schlimm kommt, gibt es eine rasche Erholung. Eine solche sieht Erhart auch für die Immobilienaktien: „Für Anleger mit langem Horizont meiner Meinung nach ein klarer Kauf.“ Denn da österreichische Immobilienaktien derzeit durchschnittlich rund 40 Prozent unter ihrem inneren Wert gehandelt werden, dürften sich die Bewertungen „sehr nahe am historischen Tiefstand bewegen“.

Auf Rang drei rangiert der 3-Banken-Österreich-Fonds. Fondsmanager Alois Wögerbauer ortet in den starken Kursverlusten der vergangenen Monate vor allem zwei Gründe: Die österreichischen Titel seien im internationalen Vergleich überwiegend kleiner kapitalisiert und daher inmitten der Kreditkrise stärker unter Druck. „Dazu kommt, dass vor allem US-Investoren ihre Gewinne mitgenommen haben.“ Dieser Verkaufsdruck und die Risikoaversion durch die Rezessionsängste in den USA haben den ATX nach unten gezogen. Für die nächsten sechs Monate rechnet er mit weiteren Turbulenzen.

Stahl & Öl heuer schwächer?

Insgesamt geht Wögerbauer ab der zweiten Jahreshälfte aber von einer „nachhaltigen Beruhigung“ aus, nicht zuletzt aufgrund der gesunkenen Zinsen und der niedrigen Bewertung. Doch auch trotz dieses negativen Umfelds gebe es langfristig stabile und wenig konjunkturabhängige Geschäftsmodelle wie jenes der Wiener Städtischen oder auch „Sonderstorys“, etwa aus dem Bereich Medizinsektor die Intercell. Bei den Immobilienaktien meint auch Wögerbauer, dass der Boden erreicht ist. „Aktuell ist ein Worst-Case-Szenario mit Preisrückgängen der Immobilien auch in unseren Breitengraden eingepreist.“ Vorsichtig ist der 3-Banken-Fondsmanager für Stahl- und Ölwerte: „Eine globale Wachstumsabschwächung wird auf Sicht auch zu sinkenden Preisen bei manchen Rohstoffen führen. Aktien aus dem Öl- und Stahlbereich dürften daher 2008 nicht zu den Outperformern gehören.“

AUF EINEN BLICK

Österreich-Aktienfonds brachten den Anlegern zuletzt Verluste. Für heuerrechnen die Fondsmanager mehrheitlich mit einer schwachen Entwicklung am heimischen Aktienmarkt.

Profitieren sollten vor allem jene ATX-Unternehmen, die stark in der Wachstumsregion Osteuropa verankert sind. Bei Immobilienaktien sollte das Schlimmste bereits vorbei sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2008)

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