US-Forscher sagen: Eine von fünf Sonnen in der Milchstraße hat Gesteinsplaneten um sich.
Sind wir allein im All? Und wenn nicht: Wie groß sind die Chancen, mit intelligenten Lebensformen „da draußen“ Kontakt aufzunehmen? Um das abzuschätzen, hat der US-Astronom Frank Drake 1960 eine simple Formel präsentiert (siehe Kasten), die nur eine Tücke hat: Es ist (noch?) kaum möglich, die Faktoren in dieser Formel auch nur in ihrer Größenordnung festzulegen. In unserem Sonnensystem ist das Produkt fl€fi€fc (also der Anteil der Planeten eines Sterns, die Zivilisationen hervorbringen, die ins All funken können) offensichtlich 1/8, denn von acht Planeten der Sonne gilt das für einen, aber das kann anderswo ganz anders sein.
Dass andere sonnenähnliche Sterne tatsächlich Planeten um sich haben, wissen die Astronomen seit 1995, da wurde der erste echte „Exoplanet“ entdeckt, heute kennt man zirka 270. Die meisten davon allerdings ähneln nicht der Erde, sondern dem riesigen, gasförmigen, unbewohnbaren Jupiter, das liegt daran, dass Planeten umso leichter zu entdecken sind, je größer sie sind.
Umso überraschender kommt nun, mit welcher Bestimmtheit ein Astronomen-team um Michael Meyer (Univ. of Arizona) beim Jahrestreffen der US-Wissenschaftlervereinigung AAAS verkündet: Mindestens einer von fünf sonnenähnlichen Sternen kann erdähnliche Planeten bilden.
Abschwächend wirkt hier das Wort „kann“, und das hat seinen Grund: Denn die Forscher fanden keine Planeten, sondern maßen Spuren des Staubs, der entsteht, wenn sich Gesteinsplaneten bilden.
Solche Spuren (in Form von Infrarotstrahlung im Bereich von ca. 24 Mikrometer) fanden sie vor allem bei Sternen, die zwischen drei Millionen und 300 Millionen Jahre alt sind. In dieser „Lebensphase“ eines Sterns, meinen sie, bilden sich durch Kollisionen Planeten wie die Erde, und darum sieht man bei Sternen, die in dieser Phase sind, den entsprechenden Staub. (Bei unserer Sonne würde man nichts mehr sehen, sie hat ihre Planetenbildung schon zirka vier Milliarden Jahre hinter sich.)
Mars: Wasser allein ist nicht genug!
Ein anderer Faktor der Drake-Gleichung – die Chance, dass auf einem erdähnlichen Planeten Leben entsteht – scheint indessen ein wenig zu schrumpfen: Auch auf dem AAAS-Treffen sprach Andrew Knoll von der Nasa über den frühen Mars, auf dem die Nasa sonst gern Leben vermutet. Dort habe es zwar Wasser gegeben, sagt Knoll, aber, so schließe man aus Gesteinsanalysen, viel zu salziges: „So salzig, dass nur eine Handvoll irdischer Organismen die leiseste Chance gehabt hätte, dort zu überleben.“ Daran sollte man sich erinnern, wenn Astronomen das nächste Mal etwaige Indizien für Wasservorkommen auf einem Exoplaneten zwanglos als Lebenszeichen erklären.
CHANCE AUF KOLLEGEN IM ALL
Die Drake-Gleichung stellt die Anzahl der zu technischer Kommunikation (mit uns) fähigen Zivilisationen in unserer Galaxie als Produkt dar: N=RfpneflfifcL
Faktoren: R: Wie viele Sterne pro Jahr entstehen in der Galaxie? fp: Wie viele davon haben Planeten? ne: Wie viele davon eignen sich für Leben? fl: Wie viele davon bringen wirklich Leben hervor? fi: Wie viele davon intelligentes Leben? fc: Wie viele davon Zivilisationen mit Informationstechnik? L: Wie viele Jahre bestehen solche Zivilisationen?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2008)