Ein geheimnisvolles Quartett in den Bergen

(c) Schauspielhaus Graz
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David Greigs „Pyrenäen“ im Schauspielhaus Graz geraten etwas flach – die Darsteller aber überzeugen mit Vielschichtigkeit.

Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir? Diesen elementaren Fragen hat der schottische Dramatiker David Greig in „Pyrenäen“ (2005) eine packende Form gegeben. Im Grazer Schauspielhaus wird das Stück über einen Mann ohne Gedächtnis, der am Rand des Pilgerweges nach Santiago de Compostela im Schnee liegend aufgefunden wurde und sich dann verzweifelt daran zu erinnern versucht, wer er war, mit erstklassiger Besetzung und etwas bemühter, wenn auch einfallsreicher Regie (Cornelia Crombholz) aufgeführt. Bei diesem Stoff, bei den metaphysisch anmutenden Schlüsselszenen wäre mehr drin gewesen, die Inszenierung ist trotz der Güte der Darsteller etwas flach geraten.

August Schmölzer spielt mit großer Intensität und maßvollem Einsatz von Tragik den Mann, der nach einem Unfall in den Bergen seine Identität rekonstruieren will. In einem Hotel in den Pyrenäen kommt er der um Aufklärung des Falls bemühten Diplomatin Anna (Martina Stilp) näher. Auch sie leidet – an Epilepsie. Zugleich verfolgt ihn Vivienne (Josefin Platt), die behauptet, seine Ehefrau zu sein. Umschwirrt wird diese bald mit der Verzweiflung ringende Ménage à trois vom Hotelmanager (Jan Thümer), einem wandlungsfähigen Mann, der wie ein Bote des Unheils wirkt. Immer wieder starrt er auf die Bergwand, wo angeblich ein Kletterer um sein Leben kämpft, er spielt mit der Angst und ermuntert auch die anderen, dieses Schauspiel zu beobachten.

Zittern und Bangen sind die Hauptingredienzien der „Pyrenäen“. Stilp legt ihre Rolle jedoch vielschichtiger an. Sie gibt die unsichere Diplomatin gekonnt, ihre aufkeimende Verliebtheit berührt, ihr plötzlicher Zusammenbruch bestürzt. Platt überzeugt als Trauernde, die kaum noch Hoffnung sieht, sie vermittelt am besten die Atmosphäre dieses Dramas. Und Thümer lässt in seiner komisch angelegten Rolle immer auch das Unheimliche durchscheinen, er ist der Kontrapunkt zu den drei Unglücklichen.

Ein Aufstieg auf Leben oder Tod

Die raffinierte Drehbühne (Natascha von Steiger) mit dem imposanten Panorama, auf die es immer wieder schneit, auf der Vergangenes verhüllt wird, um neue Konstellationen preiszugeben, die Musik und das fahle Licht (Christoph Steffen) begünstigen die beklemmende Atmosphäre. Der Schluss der „Pyrenäen“ überrascht und ist letztlich auch gut gelungen. Der Bergsteiger ist aus der Wand verschwunden. Alle hoffen, dass er den Aufstieg geschafft hat. Die Bühne dreht sich, der Schneefall hat wieder eingesetzt. Auf der Bühne liegt reglos ein Mensch.

Termine: 28.Februar, 5., 19., 20.März, jeweils um 19.30Uhr. Tel: 0316/8008.

www.buehnen-graz.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2008)

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