Banken: BayernLB-Chef Schmidt nimmt den Hut

(c) AP (Diether Endlicher)
  • Drucken

Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzvorstand Michael Kemmer. Die Großbanken Credit Suisse und Barclays müssen wegen der Kreditkrise Milliarden abschreiben.

München/Zürich/London/New York (red./ag.). Die Milliardenbelastungen bei der Bayerischen Landesbank haben nun personelle Konsequenzen: BayernLB-Chef Werner Schmidt tritt am 1. März zurück. Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzvorstand Michael Kemmer.

Schmidt stand seit Tagen schwer unter Druck. Der Bayern-LB, die seit dem Vorjahr Mehrheitseigentümer der Hypo Alpe-Adria ist, waren im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise schwere Pannen unterlaufen. Zuerst wurde bekannt gegeben, die Bank sei kaum betroffen. Letzte Woche wurde dann völlig überraschend eine Belastung in Höhe von 1,9 Mrd. Euro zugegeben. Weitere Belastungen sind nicht auszuschließen, heißt es.

CSU erzwang Schmidt-Rücktritt

Die Situation bei der BayernLB, die je zur Hälfte dem Land Bayern und den bayerischen Sparkassen gehört, brachte die CSU-Regierung in München massiv unter Druck. Die CSU-Politiker setzten nun am Dienstag bei einer Krisensitzung des Verwaltungsrates die Ablöse von Schmidt (64) durch.

Trotz Dementis aus der Bank selbst halten sich in München seit Tagen Gerüchte, dass die BayernLB wegen der erlittenen Verlust eine Kapitalerhöhung braucht. Spekuliert wird dabei über einen Betrag von 650 Mio. Euro. Die bayerische Sparkassen drängen laut Presseberichten mittelfristig auf eine Fusion von BayernLB und Landesbank Baden-Württemberg.

Neue Mega-Verluste

Tiefere Spuren als bisher angenommen hinterlässt die internationale Kreditkrise in den Bankbilanzen. Die Schweizer Credit Suisse (CS) gab am Dienstag zu, dass sie weitere 2,85 Mrd. Dollar (1,95 Mrd. Euro) abschreiben muss. Erst in der Vorwoche hatte die CS für 2007 einen Rekordgewinn von 8,55 Mrd. Franken (rund 5,3 Mrd. Euro) gemeldet. Mit Abschreibungen von zwei Mrd. Franken war sie bisher relativ glimpflich davon gekommen gewesen.

Die CS-Aktie kam am Dienstag deutlich unter Druck. Ebenfalls Kursverluste gab es für das Schweizer Konkurrenzinstitut UBS. Die Investmentbank Bear Stearns hatte die Bank am Montag herabgestuft. Bereits für 2007 musste die Bank wegen der Kreditkrise 13,3 Mrd. Euro abschreiben, 2008 könnten es laut Bear Stearns weitere 5,6 Mrd. Euro sein.

Die britische Bank Barclays verlor durch die Immobilienkrise 1,6 Mrd. Pfund (2,12 Mrd. Euro. Weitere Verluste wollte Bankchef John Varley am Dienstag nicht ausschließen. Der Vorsteuergewinn der drittgrößten britischen Bank für 2007 lag bei 7,08 Mrd. Pfund, der Nettogewinn bei 4,42 Mrd. Pfund.

Bisher haben die Topbanken weltweit durch die Hypothekenkrise rund 120 Mrd. Dollar verloren. Die nächste Welle von Milliardenverlusten ist bereits im Anrollen. Für faule Unternehmenskredite müssen allein die führenden Häuser an der Wall Street im ersten Quartal 2008 15 Mrd. Dollar abschreiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.