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Belgien: „Wundertropfen“ enthielten Alkohol und Wasser

Arzt betrog mit „Allheil-Tonikum“ Patienten.

BRÜSSEL. Wer als Patient zu Doktor Patrick van Eeghem ging, um sich behandeln zu lassen, bekam vor Verlassen der Praxis immer ein kleines Fläschchen mit. Das waren die „Wundertropfen“ des belgischen Arztes. Er verlangte dafür in der Regel mindestens 80 und höchstens 100 Euro für ein 30 Milliliter-Fläschchen.

Woraus die Wundertropfen bestanden, das verriet der Arzt seinen Patienten nicht. Auch hatten die kleinen Fläschchen kein Etikett, auf dem stand, was sich darin befand, so wie das nach dem belgischen Arzneimittelgesetz eigentlich vorgeschrieben ist. Allerdings mahnte der Arzt seine Patienten mündlich zur Einnahme der Tropfen, weil diese „einen elementaren Bestandteil meiner Therapie darstellen“.

Doch einige wurden stutzig und wollten es genau wissen. Sie brachten ihre „Wundermedizin“ in die Redaktion der Zeitung „Het Nieuwsblad“. Dort rochen die Redakteure eine Story und ließen die „Wundertropfen“ in einem Labor chemisch untersuchen. Und siehe da, der Argwohn wurde bestätigt. Genau zwei Substanzen fanden sich in den Fläschchen: Alkohol und Wasser. Die Patienten bekamen also einen kleinen Aperitif mit nach Hause.


Manche waren doch zufrieden

Inzwischen wurde van Eeghem vom Krankenhaus im flämischen Kortrijk bis auf weiteres vom Dienst suspendiert. Die belgische Ärztekammer hat eine Untersuchung gegen den Arzt eingeleitet. Dabei stellte sich heraus, dass er auch schon in den Niederlanden auffällig geworden war.

Ironie der Geschichte: Eine Reihe von Patienten, die Doktor van Eeghem behandelt hatte, scheinen mit ihm und seiner Behandlungsmethode durchaus zufrieden gewesen zu sein. 221 Patienten starteten im Internet inzwischen eine Solidaritätsaktion für den umstrittenen Arzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2008)