Polens Ex-Präsident Jaruzelski in Lebensgefahr

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Der ehemalige polnische Staatspräsident Armeegeneral Jaruzelski, Partei- und Regierungschef in der Endphase der kommunistischen Ära, ist lebensbedrohlich erkrankt. Der 84-Jährige werde seit einer Woche wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt und schwebe in Lebensgefahr, teilte sein Büro mit.

Jaruzelski war im April vergangenen Jahres wegen der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 1981 angeklagt worden. Ihm könnten im Falle eines Schuldspruchs theoretisch bis zu zehn Jahre Haft drohen. Die Verhängung des Kriegsrechts unter sowjetischem Druck war eine Reaktion des Regimes auf die Entfaltung der oppositionellen unabhängigen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc unter der Führung von Lech Walesa.

Jaruzelski, der jüngste General in der Geschichte Polens, entstammt einer streng katholischen Familie des ostpolnischen Landadels, die von der sowjetischen Besatzungsmacht 1939 nach Sibirien deportiert worden war. Seit 1947 war er KP-Mitglied, 1968 wurde er Verteidigungsminister, 1971 Politbüromitglied und 1981 Partei- und Regierungschef. Von 1985 bis 1990 war er Staatsoberhaupt. Unter seiner Präsidentschaft fand nach Verhandlungen am "Runden Tisch" der Übergang zur Demokratie statt. 1990 wurde Walesa zum Staatspräsidenten gewählt.

Jaruzelski entschuldigte sich im August 2005 während einer öffentlichen Diskussion in Prag für die Beteiligung der polnischen Armee an der Niederschlagung des "Prager Frühlings" 1968. Im vergangenen Herbst hatten Walesa und Jaruzelski in einem gemeinsamen Appell die burmesischen Militärmachthaber zur Aufnahme von Verhandlungen mit der unterdrückten Demokratiebewegung aufgerufen und der burmesischen Junta ihre guten Dienste angeboten.

(APA)

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