US-Wahl: Hillary Clintons Chancen schwinden

(c) Reuters (Aaron Josefczyk)
  • Drucken

Barack Obama hat zehn demokratische Vorwahlen in Folge gewonnen; zuletzt siegte er in Wisconsin und Hawaii.

Washington. Für die einstige Favoritin im Kampf um die demokratische Präsidentschaftsnominierung wird es eng: Nach Siegen bei den jüngsten Vorwahlen in Hawaii und Wisconsin führt erstmals Barack Obama bei der Zahl der Delegierten, die im August in Denver (Colorado) den Präsidentschaftskandidaten der demokratischen Partei wählen. Hillary Clinton muss nun auf die nächsten Abstimmungen in Texas und Ohio hoffen: Wenn sie hier nicht erfolgreich ist, schwinden ihre Chancen auf eine Nominierung dramatisch.

Obama vernichtete seine Konkurrentin Clinton bei den Vorwahlen in den beiden Bundesstaaten: In Hawaii, seinem Geburtsort, gewann er wenig überraschend mit 76 Prozent der Stimmen vor Clinton, die auf nur 24 Prozent kam. Aber auch in dem neutraleren Wisconsin lag der Unterschied bei fast 20 Prozentpunkten: 58 Prozent wählten Obama, 41 Prozent die Senatorin aus New York.

Angriffe werden persönlicher

Damit steht es für den Jung-Senator aus Illinois 10:0. Seit dem Super-Tuesday am 5. Februar, als 22 Bundesstaaten abstimmten und der für Clinton und Obama unentschieden endete, hat Obama zehn Vorwahlen in Folge gewonnen.

Die Verzweiflung, die sich langsam im Team Clintons breit macht, konnte man schon zu Wochenbeginn sehen, als ein Plagiatsvorwurf an Obama (er hatte Teile einer Rede des Gouverneurs von Massachusetts kopiert) ständig wiederholt wurde. Man werde verstärkt auf „Negative Campaigning“ setzen und Obama direkt und persönlich angreifen, hieß es aus Clintons Umgebung.

Die ehemalige First Lady versuchte in ihrer Rede in der Nacht auf Mittwoch erneut, ihre Erfahrung über das rhetorische Talent Obamas zu stellen: „Wir müssen einen Präsidenten wählen, der sich nicht nur auf Worte verlässt, sondern auf harte Arbeit.“ Man brauche keine Reden, sondern Lösungen. Und nur einer der demokratischen Kandidaten sei „in der Lage, Oberbefehlshaber in einer gefährlichen Welt zu sein“.

Als ob er Clintons Angriff geahnt hätte, argumentierte Obama bei seinem Auftritt in Houston fast ähnlich: „Es braucht mehr als mitreißende Reden. Es braucht mehr, weil das Problem, vor dem wir heute stehen, nicht der Mangel an guten Ideen ist. Das Problem ist, dass Washington der Ort wurde, an dem gute Ideen sterben.“

1301:1239 für Obama

Laut Zählung des Nachrichtensenders CNN führt Obama derzeit mit 1301 Delegiertenstimmen vor Clinton mit 1239. Die nächsten Vorwahlen am 4. März in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont werden nun entscheidend. Nicht wegen der Delegiertenstimmen – es geht um 370, ein Kandidat braucht insgesamt 2025 Delegierte für die Nominierung –, sondern aus psychologischen Gründen: Sollte Clinton auch diese Abstimmungen verlieren, bedeutet das für sie einen enormen Rückschlag.

Die Entscheidung, wer demokratischer Präsidentschaftskandidat wird, könnte am Ende bei den „Super-Delegierten“ liegen: Kongressabgeordnete und Parteifunktionäre, die ihre Stimme unabhängig vom Vorwahlergebnis frei vergeben können. Davon gibt es 796 in der demokratischen Partei.

Bei den Republikanern gewann einmal mehr John McCain, der damit seine Führung vor Mike Huckabee ausbaute (918:217 Delegierte). Das gute Abschneiden Huckabees – er kam in Wisconsin auf 37 Prozent – zeigt aber, dass McCain die republikanische Partei noch nicht hinter sich einen konnte.

NÄCHSTE VORWAHLEN

Am 4. März geht es bei Vorwahlen in den Bundesstaaten Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont um 370 Delegierte.

Nach Wyoming und Mississippi folgt am 22. April Pennsylvania mit 188 Delegierten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.