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Verbot von Plastiksäcken in Australien

(c) Reuters (Jean-Paul Pelissier)
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Der vom Rocksänger zum australischen Umweltminister aufgestiegene Peter Garrett lässt mit radikalen Gesetzesvorhaben aufhorchen.

Canberra. Als Peter Garrett noch Leadsänger der Sydneyer Rockgruppe „Midnight Oil“ war und auf Tourneen durch Australien zog, begeisterte er die Mengen mit seinen dem Umweltschutz gewidmeten aktivistischen Liedern. Damals konnte er nur davon träumen, echten Einfluss auf die Umweltpolitik seines Landes zu haben. Dieser Traum hat sich inzwischen realisiert. Denn Garret ist heute Umweltminister in der vor Weihnachten in Australien gewählten neuen Labor-Regierung.

Nun lässt Garret bereits mit einem radikalen Gesetzesvorschlag aufhorchen. Und zwar sollen in Australien bis zum Jahresende Einkaufssäcke aus Kunststoff komplett verboten werden. Dieses Vorhaben wurde von der Regierung bereits beschlossen. In den kommenden Monaten sollen die genauen Details mit den einzelnen Bundesstaaten abgesprochen werden. Australien folgt damit dem Beispiel der US-Stadt San Francisco. Dort wurden Plastiksäcke in Supermärkten bereits im Vorjahr verboten.

Jedes Jahr tragen die Australier ihre Einkäufe in rund vier Mrd. meist kostenlosen Plastikbeuteln aus den Supermärkten und anderen Geschäften nach Hause. Etwa 90 Prozent dieser Beutel – schätzungsweise 22.000 Tonnen – landen nach dem Gebrauch auf den Mülldeponien. Denn nur zehn Prozent der australischen Haushalte trennen ihren Müll und führen das Plastik einer Wiederverwertung zu.


Meerestiere verenden

Zudem landen viele der Plastiksäcke auch auf den Straßen, in den Flüssen oder werden an den Stränden weggeworfen. Viele davon gelangen schlussendlich ins Meer und töten dort Zehntausende von Meerestieren – darunter Wale, Robben, Delfine und Schildkröten. Die Tiere halten die Säcke für Quallen oder andere Nahrung und verschlucken sie.

Vor allem die Gefahr für die Tierwelt beunruhigt die australische Öffentlichkeit. Deshalb gibt es in der Bevölkerung weitgehend Unterstützung für die Pläne der Regierung. So gibt es bislang bereits etwa 30 Gemeinden, aus denen die Plastikbeutel auf Grund freiwilliger Privatinitiative verbannt sind.

Anders wird die Situation von der australischen Wirtschaft gesehen. Vor allem der Einzelhandelsverband bekämpft das Vorhaben von Garrett. Richard Evans, der Vorsitzende des Verbandes, meinte, das Verhalten der Menschen lasse sich nicht durch Gesetze ändern. Er sagte auch voraus, dass durch alternative Materialen, wie beispielsweise Papier, den Käufern höhere Preise entstehen würden. Außerdem würde durch die aufwendigere Produktion der Papiersäcke auch die ohnehin schlechte CO2-Bilanz des Landes weiter verschlechtert werden.


Wirtschaft: Strafen statt Verbot

Auch die Plastik- und Chemieindustrie setzt sich zur Wehr. Ihre Verbands-Geschäftsführerin Margaret Donnan bezeichnete die Entscheidung der Labor-Regierung als eine „Überreaktion“ und erklärte, es würde besser sein, die Strafen gegen die Umweltverschmutzung zu verschärfen, anstelle die Plastikbeutel zu verbieten. Immerhin entfallen etwa zwei Prozent der australischen Produktion von Plastikstoffen auf die unliebsam gewordenen Säcke. Indessen arbeiten die Forscher an der Universität von Neusüdwales an einem neuen Verfahren zur Verwendung der alten Plastikbeutel beim Recycling von Stahl. Versuche laufen derzeit bei der Stahlfirma OneSteal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2008)