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Sotschi: Olympia wird doppelt so teuer

(c) AP (Dmitry Astakhov)
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Die sportliche Großveranstaltung in Sotschi 2014 wird mindestens zweimal so viel kosten wie bisher geschätzt. Verrechnet hat man sich vor allem beim Kauf von Land.

Moskau. Die Kosten für die Olympischen Spiele 2014 im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi laufen aus dem Ruder. Der Chef des russischen Rechnungshofs, Sergei Stepaschin, sagte auf einer Regierungssitzung, die angepeilten Kosten von 314 Mrd. Rubel (8,7 Mrd. Euro) würden mindestens um das Doppelte überschritten. Er forderte die Verantwortlichen auf, binnen zwei Monaten den Ausgabenplan zu überarbeiten.

Auch Semjon Weinstock, Vorsitzender der Staatskorporation „Olympstroj“, geht davon aus, dass der Kostenplan nicht eingehalten werden kann. Vor allem der Kauf von Land werde wesentlich teurer als ursprünglich erwartet.


Staat finanziert die Spiele

Die Spiele in Sotschi werden zum großen Teil aus dem Staatshaushalt finanziert. Von den 314 Mrd. Rubel stammen 185 Mrd. Rubel aus einem sogenannten föderalen Programm „Entwicklung der Stadt Sotschi als Gebirgskurort“. Den Rest der Summe sollen Privatinvestoren zur Verfügung stellen. Wie das Maskottchen der Spiele aussieht, ist noch unklar. Zur Auswahl stehen: Väterchen Frost, ein Eisbär, ein Delfin auf Skiern und eine Schneeflocke.

Größte Investoren dürften der Oligarch Oleg Deripaska, Eigner der Holding Basic Element, sowie der staatlich kontrollierte Erdgasmonopolist Gazprom sein. Der reichste Russe ist auch am österreichischen Baukonzern Strabag beteiligt. Während Deripaska für den Ausbau des Flughafens Adler bei Sotschi verantwortlich zeichnet, für ein Luxus-Ferienressort mit eigenem Jachthafen und dem Olympischen Dorf, baut Gazprom in Krasnaja Poljana 40 Kilometer von Sotschi entfernt ein eigenes Skigebiet mitsamt Feriensiedlung.

Österreichische Unternehmen wie die Strabag oder Doppelmayr erhoffen sich von der Partnerschaft mit Deripaska und Gazprom Großaufträge. Cheforganisator Weinstock sagte, dass alleine für die olympischen Objekte 4200 Hektar Land vonnöten seien. 600 Hektar davon gehörten bislang Privateigentümern. „Für den Kauf von Grund und Boden wurden bislang 95 Mrd. Rubel (2,63 Mrd. Euro) veranschlagt. Die konkrete Summe kann aber steigen“, warnte Weinstock.

Zudem häufen sich die Konflikte um Grund und Boden. Bürgerinitiativen werfen dem Kreml vor, Eigentümer enteignen zu wollen. Da in Sotschi oftmals das Eigentum an Grund und Boden nicht juristisch sauber fixiert wurde, ist ein heftiger Streit um die teuren Flächen entstanden.

Greenpeace, der World Wide Fund for Nature (WWF) und tausende russischer Bürger sollen bereits Proteste gegen die olympischen Spiele in Sotschi abgehalten haben. Greenpeace will das Internationale Olympische Komitee (IOC) klagen, wenn die derzeitigen Baupläne, die unter anderem zu Lasten des Lebensraum von Braunbären gehen, nicht geändert werden.


Konstenrisiko Infrastruktur

Zu einem Kostenrisiko wird zunehmend auch die Modernisierung der Verkehrswege. So würden die Kostenvoranschläge für einen neuen Eisenbahnanschluss sowie den Ausbau der Straßennetze alleine bis 2009 um 900 Mio. Euro überschritten, sagte Verkehrsminister Igor Lewitin. Die Moskauer Wirtschaftszeitung „Vedomosti“ schrieb von „teuren Plänen“. Die Spiele würden die mit Abstand teuersten der Geschichte.

Sotschi war schon der Lieblingskurort der sowjetischen Arbeiterklasse und soll nun, dank Olympia, zu einem erstklassigen Ferienort für Sommer- und Winteraktivitäten ausgebaut werden. Sotschi, an der „Russischen Riviera“ des Schwarzen Meeres gelegen, grenzt an die Gebirgshänge des Kaukasus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2008)