Edita Malovcic macht ungern Werbung für sich selbst. Bei ihren Auftritten als Musikerin und Schauspielerin geht es aber nicht ganz ohne.
Es ist warm in dem kleinen Raum. Und sehr dunkel. Nur durch zwei kleine Fenster bahnt sich spärliches Winterlicht aus dem Innenhof den Weg. Alles in allem ist das Studio, in dem Edita Malovcic ihre Lieder einspielt und mit ihrem Lebens- und Musikpartner Vlado Dzihan an halb fertigen Soundprodukten feilt, ein gemütlicher Ort. Ein Ort zum Verstecken und sich Einigeln. Und das passt irgendwie.
Malovcic (30) zieht sich nämlich gern zurück. Nicht im künstlerischen, sondern eher im marketingtechnischen Sinn. „Wir wollen Marketing machen, das nicht unbedingt mit meiner Person verknüpft ist.“ Sie wolle nicht aus jeder Klatschspalte grinsen.
Netter Ansatz, aber wie soll das gehen? „Jemand, der Musik macht, verkörpert eine gewisse Magic. Das hat eine Distanz. Und wenn man da zu nahe herankommt, dann geht diese Magic verloren. Ich will, dass ich auf der Bühne stehe und dass man nicht genau weiß, wer ich bin. Ich will auch nicht von allen alles wissen.“
Was sich dennoch nicht ganz vermeiden ließ: Die anderen wollten stets einiges über sie wissen. Als Malovcic 2005 ihr erstes Album als „Madita“ auf den Markt brachte, begannen sich viele zu fragen, wer hinter diesem Mädchennamen aus der Astrid Lindgren-Erzählung steht. Rätselten, ob das nicht jene Schauspielerin sei, die 1999 in „Nordrand“ (neben Nina Proll) als Tamara auffiel. „Natürlich haben die Leute gewusst, wer ich bin. Aber da ich mit meinem bürgerlichen Namen in der Schauspielerei begonnen habe, wollte ich bei der Musik ein bisschen einen Puffer schaffen. Einen minimalen, aber doch.“
Seit 1999 wechselt die Wienerin mit bosnischen Wurzeln konsequent zwischen Film und Musik. Wobei Malovcic die Schauspielerei damals eigentlich gar nicht interessiert hat. Sagt sie heute. Über einen Freund von einem Freund erfuhr sie davon, dass Regisseurin Barbara Albert eine Laiendarstellerin mit ex-jugoslawischem Hintergrund suchte. „Das Profil hat auf mich gepasst. Und dann waren wir schon in Venedig auf der Biennale.“ Das klingt nach einem steilen Einstieg ins Schauspielfach – auch wenn Filmpartnerin Proll den Marcello-Mastroianni-Preis als beste Nachwuchsschauspielerin bekam und seitdem nichts ähnlich Fulminantes mehr passierte, wie Malovcic selbst feststellt.
Wobei sie das nicht zu stören scheint. Die erste CD verkaufte sich – für ein Debütalbum – sehr gut. Das größte Kompliment, das sie je bekommen habe, sei von einem Freund gewesen, der meinte, ihre Musik sei „Maditation“. Ende Jänner erschien das zweite Album „Too“, das sie wie das erste mit Partner Dzihan produzierte, mit dem sie auch einen Sohn (5) hat. „Die wenigsten wissen, dass hinter dem Namen Madita ein Duo steckt.“ Morgen, Freitag, spielt die Sängerin im WUK, eine Tour im Frühling ist angedacht.
Seit „Nordrand“ hat sie in vielen Film- und TV-Produktionen mitgespielt, von „Tatort“ bis „Vier Minuten“. In erster Linie, weil sich damit Geld verdienen lässt. Was mit der Musik bis vor drei Jahren nicht funktionierte. „Mit der Musik hatte ich lange kein Income, das war nur für meine Seele.“ Dennoch habe sie überlegt, das Schauspielen aufzugeben. „Aber ich habe nie überlegt, die Musik an den Nagel zu hängen.“ Weil man in der Musik, anders als beim Film, keine Kompromisse eingehen muss. Und dass sie keine Kompromisse mag, das haben wir uns irgendwie gedacht.
KONZERT
Edita Malovcic tritt morgen, Freitag, 22. Februar, im Wiener WUK auf. Ab 20 Uhr.
Wo: 9, Währinger Str. 59.
Karten: VVK 17 , AK: 20
www.madita.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2008)