Wie wird die Nachwelt über Castro reden, wenn er die Soldatenstiefel gestreckt hat?
War der kubanische Diktator Fulgencio Batista ein besserer Mensch als sein Nachfolger Fidel Castro? Nein. Er wurde zwar von den auf Ordnung fixierten USA und der auf Ehre bedachten Mafia geschätzt, doch ein starker Sympathieträger dürfte der Nachkomme von Sizilianern und Indianern nicht gewesen sein, obwohl er sich fürs Glücksspiel eingesetzt hat. Zur Geldwäsche hätte sich Havanna damals ebenso gut geeignet wie Vaduz oder andere liebliche Finanzinseln des Kapitals.
Nein, Sergeant Batista, der 1933 als Armee-Gewerkschaftsführer putschte, war ein böser Mensch. Mehr als 20.000 Regimegegner ließ er foltern und ermorden, bis el Che, Castro und andere Studierende der Revolution dem Spuk vor 49 Jahren ein Ende setzten. Der Rest war beschauliches Exil, wie es nicht mehr ganz so absoluten Herrschern zusteht: Madeira, Estoril, Marbella. Herr Batista handelte mit Lebensversicherungen, ehe er 1973 das Zeitliche segnete. Möge er in Frieden ruhen.
Was uns wiederum, wenn von der Endlichkeit die Rede ist, zu der Frage führt, ob Castro ein besserer Mensch war als Batista. Nicht unbedingt. Denn im Grunde ist auch Castro ein Caudillo, ein Franco für Arme sozusagen. Mit ewigen Reden hat er sein Volk seit Jahrzehnten verblödet. Der Mann nahm sich nicht einmal Zeit für eine Pinkelpause, wenn er acht Stunden lang über sich und Gott und den Rest der Welt gequatscht hat. Und er hat gelehrige Schüler. Alles Hugo?
Obwohl der großbürgerliche Führer des kubanischen Proletariats bis tief in die Kreise der europäischen Bourgeoisie den Status eines Popstars genießt, gibt es einige Dinge, die man ihm außenpolitisch selbst im wohlverdienten Ruhestand verübeln muss: Er hat die furchtbarsten Söldnertruppen nach Afrika geschickt. Fast hätte er einen Atomkrieg ausgelöst. Er hat nachhaltig die Qualität der Havanna-Zigarren verkommen lassen. Es gibt heute viel schäbigere lateinamerikanische Diktaturen, die bessere Ware liefern. Und das ist unverzeihlich.
Wie aber wird die Nachwelt über Castro reden, wenn er die Soldatenstiefel gestreckt hat? Viel wird nicht zu erzählen sein. Er hinterlässt ein armes, moralisch verkommenes Land. Dort muss man mit der Lüge leben. Aber falls die internationale Toskana-Fraktion, die gerne auch in Kuba urlaubt, dem Insel-Líder Gnädiges nachrufen will, es gibt doch einiges aufzuweisen. Castro war der Freund von Che. Er sieht in Uniformen schicker aus als Buchinger im Frack. Er ist ein größerer Macho als die Herren der Kommune eins. Kubas Gesundheits- und Schulsysteme sind offiziell erstklassig. Die Huren von Havanna sind die raffiniertesten und gebildetsten der Welt.
Letzteres hat der Comandante persönlich behauptet. Möge er in Frieden seine staatliche Pension im befreiten Kuba genießen.
norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2008)