An manchen Samstagen gehen Skifahrerinnen ganz befreit auf die Piste. Die Last hat der Ski-Träger.
Die neuen Renncarver wiegen so viel wie drei Paar alte. Das Auto steht am hintersten aller Parkplätze. Bis zur Liftstation sind es befürchtete sieben Minuten. Binnen Sekunden dieses strahlenden Salzburger Skitages zerbröselt jede Motivation. Plötzlich steht er vor mir: Ein weißes T-Shirt spannt sich über seinen Bizeps. Ein verwegener Grinser huscht über sein Gesicht. Huch, jetzt spricht er mich an ...
Sanft langt eine Hand nach meinen Skiern und nimmt sie mir weg. Die andere greift nach den Stecken. Fester, bestimmter. Nein, ich wehre mich nicht. Wir gehen. Leicht federnd schreitet er zur Talstation. Ich folge, polternd und festgeschraubt in meinen Skischuhen. Es irritiert ihn nicht. Bei der Kassa stellt er locker die Ski ab, zieht seinen Zylinder, „Pfiati“, ein kleines Lächeln. Und ich sehe, wie er bereits auf die Nächste zusteuert.
Ski-Schani
An manchen Samstagen leisten sich Zauchensee und Flachauwinkel den Gag, einen Lady-Ski-Shuttle einzusetzen: einen Trupp freundlicher und recht ansehnlicher Über-Zwanzig- und Unter- Dreißig-Jähriger (überwiegend heimische Studenten), die den Damen gratis die Ski vom Auto bis zum Lift und vom Lift zum Auto tragen.
Das kommt in den meisten Fällen sehr gut an, und manchmal wagt es eine Dame sogar, beim Abschied von ihrem Ski-Schani eine Einladung auf ein Bier zu deponieren. Doch nach Liftschluss sind die Kavaliere meist zu müde, um solchen scherzhaften Angeboten nachzugehen. Ein ganzer Tag Ski-Schleppen geht an die Substanz, so sind die Schaumgummi-Muskeln, die sich die Burschen für ihren Einsatz über die Funktionswäsche stülpen, vermutlich nicht einmal gelogen.
Schokotaler
Auch Michael, einer der Lady Ski-Shuttler, dürfte ziemlich trainiert sein. Letztens, erzählt er, wollte eine Holländerin nicht nur die Ski, sondern gleich als Gesamtpaket vom Parkplatz bis zum Lift transportiert werden. „Dann hab ich sie halt wie über die Schwelle getragen“, freilich mit dem Einverständnis ihres Begleiters.
Der Salzburger ist von Anfang an bei den Shuttle-Einsätzen in dem Skigebiet dabei, und lächelt vermutlich schon „aus vielen Fotoalben weltweit“. Nur die Österreicherinnen zögern manchmal sich helfen zu lassen, schließlich sei es eine Ehrensache, als Angehörige der besten aller Ski-Nationen seine Bretter selbst zu schleppen.
Die Ski-Träger im Tal sind nicht allein, Kollegen arbeiten oben am Berg, livriert und mit einem Tablett ausgerüstet. Die Pistenpagen düsen auf Skiern herum und verteilen Schokotaler. Wenn man sich verirrt – was in einem weitläufigen Skigebiet wie Zauchensee-Flachauwinkel-Kleinarl ja vorkommen kann – verraten sie einem, wo man hin muss. Und manchmal sieht man sie auch bei der Bergstation den Patscherten helfen, die Ski bei den Gondeln ein- und auszuladen.
Eine Marketing-Idee, na und? Der Skigast muss dabei ja keine Heizdecke kaufen. Aber auch symptomatisch für die Entwicklung auf heimischen Pisten: Wenn alle Skigebiete gleichauf rüsten – Sessellift mit Sitzheizung oder Kindersperre, Hütten für jede spitze Zielgruppe, permanent beschneite, frisierte und gebügelte Pisten – ist es offensichtlich notwendig, sich immer weiter abzugrenzen und auf den Standard laufend Originelles draufzusetzen: Ski-Sherpas für Damen und Kinder, Gelati-Wägen, Live-Konzerte, Hütten-Rallyes oder Massagestationen neben der Piste.
Schneeloch
Das Skigebiet hat auch so seine Besonderheiten. Da ist einmal die Lage: Der hoch gelegene Talschluss macht Zauchensee zu einem sicheren Schneeloch. Dass die Pisten am Rosskopf oder am Gamskogel lang und einen Tick anspruchsvoller als der Durchschnitt sind, zieht die sportlicheren Fahrer an (gegenüber dem familienfreundlicheren Radstadt-Altenmarkt). Sind die Ferien-Wellen einmal über die Pisten hinweggeschwappt, wird es für den Freerider einfach, Hänge zu finden, in denen keine Probierer herumkugeln. Unten gibt es gerade einmal ein paar Häuser, allesamt Hotels (in einem ist Michael Walchhofer zuhause). Am Berg oben sieht es anders aus, denn die Hüttendichte ist groß. Und die Nähe anderer interessanter Skigebiete (Wagrain, Flachau) verlockt, die Fühler weiter auszustrecken.
DAMENWAHL.
Salzburger Sportwelt: Zur Region gehören mehrere Skischaukeln: u. a. Zauchensee-Flachauwinkel-Klein- arl und Flachau-Wagrain-St.Johann-Alpendorf. Die Salzburger Sportwelt ist Teil des Ski amadé-Verbundes.
T 06457/2929, www.salzburgersportwelt.at; www.skiamade.at
Salzburgerland: www.salzburgerland. com, T 0662/6688-0
Hotel Sportalm/Zauchensee:
T 06452/4006, www.sportalm.com
Lady Special Week: 29. 3.–5. 4. (Ski amadé-weit); Lady Ski-Shuttle u.a. am 30.3. (Ladies Day) [Zauchensee]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2008)