Gesiebte Luft statt wilder Partys

Korruption ist ein Verbrechen. Dass die Justiz das den Angeklagten im VW-Prozess anschaulich vorgeführt hat, macht Hoffnung.

Der korrupte (mutmaßlich, weil rechtskräftig ist das Urteil ja noch nicht) Ex-Betriebsratschef von VW, Klaus Volkert, wird also ein paar Monate gesiebte Luft atmen. Das ist die gute Nachricht zum Tag. Es gibt aber auch eine schlechte: Er wird beim organisierten Nachmittagsspaziergang im Gefängnishof nicht auf seine Bestecher, Ex-Personalvorstand Peter Hartz (ja, der von Hartz IV) und Klaus-Joachim Gebauer treffen.

Die beiden sind nämlich mit Bewährungsstrafen davongekommen. Obwohl Hartz das System „Betriebsratsbestechung mittels Sonderboni, Lustreisen und Nobelprostituierten auf Regimentsunkosten“ erfunden und Gebauer das Ganze organisiert (und bei den Bordell-Partys wohl auch ein wenig mitgenascht) hat. Und das sieht wirklich verdammt nach jener Zweiklassen-Justiz aus, die einige deutsche Zeitungen gleich gewittert haben.

Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht. Die Message lautet, dass Korruption eben nicht unter Kavalieren augenzwinkernd hingenommen werden kann. Schon gar nicht in einer Zeit, in der sich solches in Deutschland (VW, Siemens) und auch in Österreich (wo derzeit eher Ministerien einschlägige Schlagzeilen machen) auffällig häuft.

Korruption ist ein Verbrechen und gehört als solches geahndet. Alles andere wäre in höchstem Maße unfair jenen Unbeteiligten gegenüber, die die Rechnung letztendlich begleichen.
(Bericht: Seite 22)


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2008)

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