Deutschland laufen die Steuerzahler in Scharen davon. Ein Problem, das nun in Österreich und der Schweiz gelöst werden soll. Ausgerechnet.
Nach dem Ankauf gestohlener Daten, die betuchte Bürger der steuerschonenden Veranlagung bei einer Bank im fürstlichen Liechtenstein überführen dürften, hat der deutsche Überwachungsstaat ordentlich Oberwasser. Ab sofort werde nicht nur in Liechtenstein, sondern auch in Luxemburg, der Schweiz und in Österreich Jagd auf Steuersünder gemacht, wie Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) verlauten lässt. Diese Staaten wurden zudem von Berlin aufgefordert, ihr Bankgeheimnis aufzuweichen, um die Bespitzelung deutscher Bürger im Ausland zu erleichtern.
Soweit kommt's noch. Vielleicht findet Herr Steinbrück ja wieder einmal eine ruhige Minute, in der er sich der nicht ganz unwichtigen Frage zuwenden kann, warum denn die Steuerzahler in Scharen davon laufen. Steuerhinterziehung ist in Deutschland nämlich längst kein Privileg hoch dotierter Manager-Eliten mehr. Oder wie CSU-Chef Erwin Huber es formulierte: „Angesehene Bürger, die nie auf die Idee kämen, einen Apfel vom Nachbarbaum zu stehlen, verstecken ihr Geld im Ausland und brüsten sich auch noch damit“.
485 Milliarden Euro haben deutsche Bürger steuerschonend im Ausland angelegt. Wir haben es hier also mit einem neuen Volkssport zu tun. Die Deutschen sind eben immer weniger bereit, die ihnen aufgeschulterten Steuerlasten zu tragen. Das ist ein Problem Deutschlands. Österreich und die Schweiz sollten es nicht zu ihrem machen – und sich nach Kräften gegen den Einmarsch deutscher Steuerspitzel wehren. (Bericht: S. 17)
franz.schellhorn@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2008)