Raufereien und Ausschreitungen bei Serben-Demo in Wien

(c) APA (Herbert P. Oczeret)
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Proteste gegen die Kosovo-Unabhängigkeit auch in Wien. Hunderte Serben lieferten sich Schlägereien mit der Polizei und Kosovo-Albanern. Die Bilanz: acht Festnahmen, zwei verletzte Polizisten.

WIEN. Der Kampf um den Kosovo findet am Wochenende auch in Wien statt. Mehrere Verletzte und Festnahmen sind die Bilanz einer groß angelegten Demonstration Tausender Serben gegen die Unabhängigkeit der ehemals serbischen Provinz.

Mit den Händen an der Wand und gespreizten Beinen stehen am Sonntagabend Dutzende - großteils jugendliche - Serben an einer Wand und werden von der Polizei perlustriert. Sie gehören zum harten Kern eines Demonstrationszuges, der zuvor stundenlang mit der Polizei Katz-und-Maus gespielt hat. Ein Demonstrationszug, der zwischen Ottakringer Straße und Westbahnhof lautstark durch die Straßen gezogen ist und sich mit der Polizei und Kosovo-Albanern mehrere Scharmützel geliefert hat.

Friedlicher Start am Heldenplatz

Dabei hat alles so friedlich begonnen, mit tausenden Serben - die Polizei spricht von 5.000, die Veranstalter von 10.000 - die am Heldenplatz mit serbischen Fahnen aufmarschieren. "Ne damo Kosovo", skandieren sie immer wieder - wir geben Serbien nicht auf.

Grußnachrichten von Schriftsteller Peter Handke und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache werden unter großem Jubel verlesen, gellende Pfiffen haben die Demonstranten für jene Länder übrig, die den Kosovo anerkannten - auch für Österreich.

Polizei-Kordon um US-Botschaft

Doch nach dem friedlichen Beginn setzt sich eine Gruppe von rund 400 Demonstranten in Richtung US-Botschaft in der Boltzmanngasse (9. Bezirk) in Bewegung. Mehrere hundert Polizisten sperren den Demonstranten den Weg ab, daraufhin zieht der Zug in Richtung Ottakringer Straße (16. Bezirk). Dort kommt es zu einer Straßenschlacht mit der Polizei - Demonstranten werfen mit abgerissenen Rückspiegeln auf die Einsatzkräfte, vor einem albanischen Lokal kommt es zu mehreren Schlägereien. Mehrere Scheiben gehen zu Bruch, einige Demonstranten werden festgenommen.

Doch vorbei ist der gefährliche Wirbel damit noch lange nicht. Einige Hunderte ziehen über den Gürtel weiter in Richtung Westbahnhof. Es sind einige wenige junge Männer mit Glatzen und Bomberjacken, die die Richtung vorgeben. Der Rest: Junge Männer mit Kapuzen und Kappen, die sich bemühen, eine albanische Fahne in Brand zu stecken, Mädchen, die mit Serbien-Fahnen posieren. Fast entsteht der Eindruck, die Jugendlichen würden einen Sonntagsausflug veranstalten wollen.

"Der Kosovo ist unser Jerusalem"

"Der Kosovo ist unser Jerusalem, das ist serbisches Heiligtum", erklärt ein Jugendlicher mit einem schwarzen Kopftuch, auf dem Totenköpfe zu sehen sind. Vor dem Westbahnhof greifen die Einsatzkräfte in Schutzkleidung die Gruppe an, die über den Gürtel in Richtung Ottakring flieht.

Und überall gibt es Zeichen der Solidarität für die Gruppe - serbische Fahnen werden aus den Fenstern gehängt, ältere Serben klopfen den Demonstranten aufmunternd auf die Schultern.

Veranstalter danken Polizei

Mehrmals wechselt der Zug die Richtung, weicht der Polizei aus, die versucht, dem Zug zu folgen. Immer wieder kommt es zu Scharmützeln, als etwa ein junger Serbe auf eine Straßenbahn klettern will.
Als die Jugendlichen am Europaplatz (15. Bezirk) ankommen, schlägt die Polizei zu. Die Demonstranten werden am Neubaugürtel eingekreist und zusammengedrängt. Dann ist der Widerstand gebrochen, zaghafte "Nazi"-Schreie der Männer und Frauen verklingen schnell. Die Polizei nimmt die Personalien auf, Schlagringe und Messer werden abgenommen. Erste Bilanz: Acht Festnahmen, zwei verletzte Polizisten. Und ein Organisator der Demo, der sich distanziert. Es sei nur eine kleine Gruppe gewesen. Und er bedankt sich bei der Polizei. Für den Einsatz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2008)

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