Elsner bekämpft den Gutachter. Flöttl boykottiert Elsner. Und die Richterin lässt im Keller von Flöttls Vater nach „Leichen“ suchen.
WIEN.Wegen der exzessiven Befragung des Gutachters durch Helmut Elsners Anwalt Wolfgang Schubert liegen sich die Bawag-Angeklagten nun in den Haaren. Investmentbanker Wolfgang Flöttl spricht von „Verschleppungs- und Zermürbungstaktik“.
Aber nicht nur Gutachter Fritz Kleiner – auch Flöttl selbst wird von Anwalt Schubert immer wieder etwas gefragt. Damit ist nun Schluss. Flöttl: „Ich habe mich entschlossen, Fragen von Dr. Schubert nicht mehr zu beantworten.“ Das Untreue-Verfahren sei für ihn, Flöttl, „mit überwältigenden Kosten“ verbunden, er wohne in New York, müsse sich seit Monaten in Wien aufhalten.
Auch der Angeklagte Günter Weninger, Ex-Aufsichtsrats-Boss der Bawag, will die Elsner-Fragen an den Gutachter nicht mehr akzeptieren. Sein Anwalt Richard Soyer: „Wir sind unzufrieden mit dem Verlauf der Verhandlung.“ Richterin Claudia Bandion-Ortner gesteht ein, dass es „wahnsinnig schwer“ sei, bei jeder Frage „ad hoc die Angemessenheit zu beurteilen“. Klar ist: Verteidiger haben ein Fragerecht. Daher bleibt Anwalt Schubert – vorerst – hart: „Ich werde das Gutachten in allen Facetten hinterfragen.“
Anwalt lenkt ein: Fragenliste kommt
Das Ersuchen der Richterin, die Fragen vorab schriftlich zu übermitteln, wurde bisher von Schubert zurückgewiesen. Doch als die Frau Rat am Montag verlangt, dass nun alle Fragen – wenn auch mündlich – „der Reihe nach“ vorgetragen werden müssen, lenkt Schubert ein. Um nicht in einer Litanei hunderte Fragen aufsagen zu müssen, erklärt er sich doch bereit, eine Fragenliste abzugeben. Indessen geht Elsner erneut auf den Gutachter los: „Ich stelle die Kompetenz des Dr. Kleiner in Frage.“
Als Flöttl zu einem Treffen mit Elsner im November 2000 aussagt (zu dieser Zeit war der Milliarden-Verlust der Spekulationsgelder eingetreten), wird er von Elsner attackiert: „Das ist von A bis Z eine glatte Lüge.“
Liefert Gusenbauer ein Alibi für Elsner?
Um diese „Lüge“ aufzuzeigen und sich selbst ein Alibi zu verschaffen schlägt Elsner der Richterin vor: „Sie können den Gusenbauer laden.“ Bundeskanzler Alfred Gusenbauer könne bestätigen, dass er Ende 2000 bei einem Gewerkschafter-Treffen mit Elsner war. Somit könne sich Elsner nicht zur selben Zeit mit Flöttl getroffen haben.
Noch etwas dient der Prozessökonomie: Das Gericht gibt bekannt, dass man die erste große Spekulationswelle der Jahre 1987 bis 1994 („Karibik I“) nun doch nicht im Detail verhandeln werde. Wie berichtet war die Anklage am 8. Februar überraschend dahingehend ausgedehnt worden. Allerdings ganz ausblenden lässt sich dieser Komplex nicht, gibt es doch auffällige Parallelen zwischen den ersten – gewinnbringenden – Flöttl-Deals und jenen, die zwischen 1995 und 2000 liefen und nun Gegenstand der Anklage sind.
Insofern darf es auch nicht wundern, dass die Richterin just an dem Tag, als sie die „Einschränkung“ der Verhandlung auf das ursprüngliche Thema, „Karibik II“, verkündet, Beamte der Sonderkommission ausschickt, um nach „Karibik I“-Akten zu suchen. Konkreter Verdacht: Elsner könnte bei den „Karibik I“-Geschäften beratend tätig gewesen sein. Er selber bestreitet dies.
Der Ort, an dem die Beamten Montagnachmittag Nachschau halten, ist einigermaßen heikel, handelt es sich doch um den Keller jenes Penthouses, in dem Flöttls Vater, Ex-Bawag-Chef Walter Flöttl (84), wohnt. Die Richterin lächelnd: „Ob es da Leichen im Keller gibt?“ Auch beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG will die Soko nun nach Unterlagen suchen. Der frühere KPMG-Prüfer Robert Reiter, einer der Angeklagten, hatte das angeboten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2008)