Pleiten und Pannen: Es muss nicht immer Liechtenstein sein. Wer in Deutschland und Italien ins Visier der Steuerfahnder geriet: Franjo Pooth und Ornella Muti.
Spätestens seit der Diva-Verleihung in München hätte man es wissen müssen. Dass da etwas nicht stimmt, bei Familie Pooth. Verona Pooth (frühere Feldbusch) kam nicht nur alleine zur 18. Preisverleihung der Entertainment Preise, sie gab sich auch ungewohnt wortkarg. So wortkarg, dass manche meinten, sie habe sich eine „Verbal-Diät“ verpasst.
Das Lachen (und das Smalltalken) ist der Unternehmerin tatsächlich gründlich vergangen. Schuld daran ist Ehemann Franjo Pooth, den sie im September 2005 im Wiener Stephansdom (und in weißer Sisi-Robe) geheiratet und das im Kursalon im Stadtpark mit 200 Freunden und Bekannten gefeiert hatte. Dass diese zur kitschigen Traumhochzeit hochstilisierte Feier später Thema in einem Bankenskandal sein würde, hätte damals niemand gedacht. Der 38-jährige Pooth und Vater von Veronas Sohn Diego (4) galt als geschickter Unternehmer, dem es nichts auszumachen schien, stets nur im Schatten seiner (semi-)prominenten Frau zu stehen. Seine 2003 gegründete Elektronikfirma Maxfield GmbH hatte sich gut etabliert, noch 2006 wurde er zum Entrepreneur des Jahres gewählt.
Unter den 200 Gästen der Hochzeitsgesellschaft in Wien waren auch sieben Mitarbeiter der Düsseldorfer Sparkasse, mindestens drei von ihnen sollen von Pooth bestochen worden sein. Sagt die deutsche Staatsanwaltschaft. Weil sein Unternehmen einen 14Mio. Euro großen Schuldenberg angehäuft hatte, bat er bei der Düsseldorfer Sparkasse um einen Kredit in Höhe von 9,4 Mio. Der soll ihm – trotz eindringlicher Warnung des Bank-Verwaltungsrats – gewährt worden sein. Wofür er sich mit teuren Geschenken, wie Flachbildschirmen, erkenntlich zeigte. Als Pooth seine Firma Mitte Jänner trotzdem insolvent melden musste, kamen die Geschäfte ans Tageslicht. Gegen Pooth wird nun auch wegen Korruption ermittelt. Der jüngste Vorfall: Der Chef der Düsseldorfer Sparkasse, Heinz-Martin Humme, musste am Freitag seinen Chefsessel räumen, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue gegen ihn.
Und die Pooths? Die sind untergetaucht – und bauen Haus. Das hatte Verona Pooth zumindest noch Anfang Februar angekündigt. „Das sind ganz getrennte Geschichten“, meinte sie. „Die Finanzierung für das Haus steht schon seit längerem und hat mit Franjos Firma nichts zu tun.“ Und auch Veronas Exmann Dieter Bohlen meldete sich per Boulvardpresse zu Wort. Er würde den beiden „auf Lebenszeit eine warme Mahlzeit anbieten“.
Auf eine warme Mahlzeit ist sie vermutlich (auch) noch nicht angewiesen, bessere Zeiten hat Ornella Muti aber allemal gesehen. Die italienische Schauspielerin muss nämlich insgesamt 2,3 Mio. Euro Steuern zurückzahlen. Sie verlegte 1994 ihren Wohnsitz scheinbar nach Monte Carlo. Die Finanzbehörden sind ihr jetzt dahinter gekommen, dass sie nie in dem Steuerparadies gewohnt hat. Woran sie das erkannt haben wollen? An den Flugtickets. Die hatte sie bei Reisen nämlich immer direkt von und nach Rom gebucht.
AUF EINEN BLICK
Franjo Pooth, der Mann von Verona Pooth soll Mitarbeiter der Düsseldorfer Sparkasse bestochen haben.
Ornella Muti muss 2,3Mio. Euro Steuern nachzahlen, weil sie ihren Wohnsitz nur zum Schein nach Monaco verlegt hatte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2008)