Die Euro kommt, wir sperren zu – oder nicht

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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UNIBETRIEB. Hörsäle neben der Fanmeile, kein Betrieb an Spieltagen: Wie die Unis in den Spielstädten mit der Fußball-EM umgehen.

Wenn am 7. Juni der Ankick zur Fußball-Europameisterschaft erfolgt, setzt das akademische Leben aus. Statt im Hörsaal finden sich Studenten und Vortragende dann in Stadien, auf Fanmeilen oder vor dem Fernseher. Klingt gut, aber ist das wirklich so? „UniLive“ hat nachgefragt.

•Wien flieht vor der Fanmeile: Besonders stark betroffen von der Euro 2008 ist das Hauptgebäude der Uni Wien, liegt doch die Fanmeile unmittelbar daneben. Die Konsequenzen: Hörsäle mit Fenster zur Reichsratsstraße (z.B. 24 oder 26) bleiben an Spieltagen am Nachmittag leer. Dabei trifft es vor allem die Informatiker, die in andere Hörsäle ausweichen oder zu ruhigeren Zeiten Blockveranstaltungen abhalten. Und nachdem die EM mitten in die Prüfungszeit fällt, werden die Klausuren so terminisiert, dass sie nicht während der Spiele abgehalten werden. „Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass alle Lehrveranstaltungen stattfinden können“, so Rektorats-Sprecherin Cornelia Blum. Und die Idee, selbst im Audimax Spiele zu übertragen? „Sicher nicht“, so Blum, man nütze alle Kapazitäten nur für den Lehrbetrieb.

Um zu verhindern, dass sich nicht ortskundige Fußball-Fans von der Fanmeile in das Hauptgebäude verirren, wird übrigens ein Sicherheitsteam verstärkt im Hauptgebäude patrouillieren. In Uniform? „Nein“, meint Blum. Unter der Security solle man sich nichts paramilitärisches vorstellen, sondern Mitarbeiter des Schließdienstes, die auch sonst auf der Uni für Ordnung sorgen.

•Klagenfurt macht dicht: Die Klagenfurter Universität wird während der Euro-Spiele in Klagenfurt geschlossen sein. „Wir gehen davon aus, dass an den Spieltagen kein geregelter Unterricht möglich ist“, so Rektor Heinrich Mayr. Der 8. Juni sei davon nicht betroffen, weil Sonntag. Aber von Donnerstag, 12. bis Montag 16. Juni hat die Uni geschlossen, das Personal hat dienstfrei. Überdies werden die Uni-Parkplätze, die in der Nähe des Stadions liegen, an die Stadt vermietet. Was die Universität sonst vor, während oder nach der Euro 2008 noch plant, sei, so der Rektor, „derzeit noch nicht spruchreif“.

•In Innsbruck wird gewuzzelt: Um möglichst viele Studenten mit dem Fußballfieber anzustecken, kooperiert die Uni Innsbruck mit der Hostcity. „Uniroadshow“ heißt das Gemeinschaftswerk, das ab Mai 2008 auf allen großen Institutsstandorten Station macht. Barbetrieb und DJs sorgen für Stimmung, zusätzlich sollen Kleinfeldturniere und Wuzzlertische EM-Flair auf den Campus zaubern. Aus vorgezogenen Ferien wegen des EM-Trubels wird aber nichts, heißt es seitens der Uni: „Der Lehrbetrieb geht wie gewohnt weiter.“ Dass man sich auf die EM freut, sieht man an den kostenlosen Sprachkursen, die ab Mai im Internationalen Sprachenzentrum (ISI) abgehalten werden: Russisch-, Spanisch und Schwedisch. Das sind die Landessprachen jener drei Mannschaften, die ihre Vorrundenpartien in Innsbruck austragen. Doch Achtung: Wie im echten Unileben wird es Zugangsbeschränkungen geben, um den Lernerfolg zu garantieren. Wann und wo man sich anmelden kann gibt die Uni im April bekannt.


•Salzburg bleibt fußballfreie Zone:Mehrere Fakultäten liegen in unmittelbarer Nähe zur Fanzone im Herzen der Salzburger Altstadt. Die Juridische Fakultät ist gar nur einen Steinwurf von den großen Leinwänden am Residenzplatz entfernt. Viele Studierende werden auf dem Weg zur Uni von verschärften Sicherheitsvorkehrungen betroffen sein oder müssen Umwege in Kauf nehmen. Personenkontrollen wird es nur unmittelbar beim Zugang zum Public Viewing am Residenzplatz geben. Gespräche über verstärkte nächtliche Kontrollen sind noch nicht abgeschlossen. Fix ist, dass der Parkplatz im Innenhof der Bibliothek während der EM nicht zur Verfügung steht. Der Hof wird als Depotfläche benötigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2008)

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