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Alfred Hrdlicka wird 80: "Alle Kunst kommt vom Fleisch"

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Großdeutscher, Kommunist, Künstler: Der Bildhauer Alfred Hrdlicka wird zu seinem Geburtstag mit mehr als 20 Ausstellungen gewürdigt. Zahm ist er deswegen noch lange nicht.

Am 27. Februar feiert Alfred Hrdlicka, einer der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer Österreichs, seinen 80. Geburtstag. Hrdlicka soll zwar "Turteltaube" heißen, doch als zahm und sanft erwies sich der Künstler weder in seinen Themen und in der Wahl seiner Materialien, noch in seinen Polemiken, mit denen sich der streitbare Realist und Kommunist in politischen Debatten zu Wort meldete.

Heiße Diskussionen begleiteten immer wieder die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentlichen Raum, vom "Renner-Denkmal" an der Wiener Ringstraße (1967) bis zum Denkmal gegen Krieg und Faschismus am Wiener Albertinaplatz (1988/91). Seine offenen Briefe habe er im Sinne der "Lebendigkeit" des Protests stets mit "Uraltstalinist" unterschrieben.

Vom Zahntechniker zum Professor

Alfred Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. Nach Absolvierung einer Zahntechnikerlehre begann er an der Akademie der bildenden Künste zunächst Malerei bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky zu studieren, ehe er als akademischer Maler in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig.

Professuren führten ihn an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart , die Hochschule für bildende Künste Hamburg, die Hochschule der Künste Berlin und schließlich 1989 an die Universität für angewandte Kunst Wien.

Geschundene Körper

Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen für den Zeichner und Grafiker Hrdlicka, der den leidenden und geschundenen Menschen in den Mittelpunkt seiner Zyklen stellt. "Alle Kunst kommt vom Fleisch", lautet ein Diktum Hrdlickas. Zu seinen bekanntesten und eindrucksvollsten Werken zählen seine Arbeiten zur französischen Revolution, zu Pasolini oder zu Franz Schubert.

1963 erregten sich die Gemüter in Salzburg, nachdem sein "Orpheus" für das Kleine Festspielhaus angekauft worden war. 1967 versammelte sich eine "Liga gegen entartete Kunst" zum Protest gegen das in Wien enthüllte "Renner-Denkmal" Hrdlickas. 1970 entstand für ein Evangelisches Gemeindezentrum in Westberlin der "Plötzenseer Totentanz". In Hamburg sorgte sein monumentales "Gegendenkmal" zum Krieger-Ehrenmal für heiße Diskussionen, in Wien das Albertina-Mahnmal.

Die Linke und ein großdeutsches Reich

Bereits seit einigen Jahren kann Hrdlicka nicht mehr eigenhändig an Skulpturen arbeiten. Er habe sich sich "zu Tode geschunden", sagte er, jede seiner dreidimensionalen Arbeiten habe er selber gemacht. Ein großes Thema ist immer noch die Politik. Allerdings fokussiert sich sein Interesse mehr auf die Neue Linke in Deutschland, als deren "Pate" er bezeichnet wurde, da er vor Jahren Oskar Lafontaine und Gregor Gysi an einen Tisch gebracht habe. "Deutschland war mir politisch nie egal und ich musste naturgemäß Stellung nehmen", so Hrdlicka in einem Interview im Ö1-Mittagsjournal.

"Ich bin ein Großdeutscher, aber kein Nazi, das ist eine ganz einfache Formulierung", sagte Hrdlicka etwa in einem Interview im Ö1-Mittagsjournal. Auf die Frage, ob er für einen "Anschluss" Österreichs wäre, sagte der bekennende Kommunist, der 1999 auch für die KPÖ in Kärnten kandidiert hat: "Ja, da hätte ich gar nix dagegen." In Deutschland trete er aber immer gerne als Österreicher auf, "um die Distanzierung festzustellen."

Aus dem Anlass seines Geburtstages werden bis Ende des Jahres mehr als 20 Ausstellungen zu dem Künstler gezeigt. In Deutschland zeigt die Kunsthalle Würth eine große Retrospektive, die ab 8. August in adaptierter Form im Wiener Künstlerhaus zu sehen. Ehrungen will Hrdlicka aus Prinzip nicht annehmen.

(Ag./red.)