Nach persönlichen Attacken lieferten sich die Kandidaten eine höfliche TV-Debatte vor den wichtigen Vorwahlen in Texas und Ohio.
Washington. Wie sehr sich der Ton doch ändert, wenn eine Fernsehkamera eingeschaltet ist und der Rivale direkt neben einem sitzt. So höflich und freundlich, wie in der TV-Debatte in der Nacht auf Mittwoch, waren Hillary Clinton und Barack Obama miteinander seit Tagen nicht mehr – zumindest seit der letzten TV-Debatte.
Die mittlerweile bereits 20.Fernsehkonfrontation der demokratischen Präsidentschaftskandidaten war die letzte vor den wichtigen Vorwahlen in Texas und Ohio am kommenden Dienstag. Die Latte für Hillary Clinton legte dabei ausgerechnet ihr Ehemann Bill hoch: „Wenn sie Texas und Ohio gewinnt, dann wird sie die Nominierte sein. Wenn nicht, dann glaube ich nicht, dass sie es schafft.“
Laut Umfragen dürften sich die beiden Kandidaten den Sieg einmal mehr teilen. Obama liegt in Texas leicht vor Clinton, aber innerhalb der Schwankungsbreite der Meinungsumfrage (50 zu 46 Prozent). In Ohio liegt die ehemalige First Lady bei 51 Prozent, Obama holte auf 40 Prozent auf. Noch vor zwei Wochen lag der Unterschied bei 55:34.
Der Höhenflug des 46-jährigen Afro-Amerikaners schlug sich jetzt erstmals auch in nationalen Umfragen nieder. Laut „New York Times“ wollen 54 Prozent der Demokraten Obama als Präsidentschaftskandidaten und nur noch 38 Prozent Clinton. Noch im Jänner führte Hillary Clinton mit zweistelligen Prozentzahlen vor Obama. In der Nacht auf Mittwoch erhielt der Jungsenator auch die symbolisch wichtige Unterstützung des ehemaligen demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Chris Dodd.
Clinton hat Schwierigkeiten, gegen Obama anzukommen. Anfangs versuchte sie, ihren Herausforderer als unerfahren darzustellen – was nichts half. Dann attackierte sie ihn persönlich – auch das ohne sichtbares Ergebnis in den Umfragen. In der gestrigen TV-Debatte lieferten sie sich einen sachlichen Schlagabtausch mit Obama über Themen, die erwarteten persönlichen Angriffe blieben aus.
Vor allem die Pläne für eine allgemeine Krankenversicherung sorgten für hitzige Diskussionen. Beide Kandidaten wollen eine generelle Versicherung. Obamas Pläne ließen aber weiterhin 15 Millionen Menschen ohne Versicherungsschutz, meinte Clinton. Obama warf den Clinton-Plänen vor, sie würden sich lesen, als hätten „die Versicherungen und die Republikaner sie geschrieben“.
„Besser als McCain“
Bei der Frage der Zukunft des US-Einsatzes im Irak klang Obama vorsichtiger als Clinton. Zwar sprachen sich beide für einen Truppenabzug aus, der 46-Jährige meinte jedoch, man müsse „eine Partnerschaft“ mit dem Irak eingehen, um die Sicherheit der Region zu garantieren. Wie die im Detail aussehen soll, wurde von den Journalisten nicht hinterfragt.
Leichte Probleme hatte Clinton, als sie ihre (von ihr selbst gepriesene) außenpolitische Erfahrung unter Beweis stellen und den Namen des wahrscheinlichen Nachfolgers des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitrij Medwedjew, nennen sollte. Nach einigem Zögern antwortete Clinton: „Medwedew – wie auch immer.“
Am Ende blieb wieder gegenseitige respektvolle Anerkennung, auch wenn Obamas Lob für Clinton etwas halbherzig klang: Sie wäre der Nominierung würdig und auf jeden Fall ein „besserer Präsident als John McCain“.
VORENTSCHEIDUNG
In Ohio und Texas werden 370 Delegiertenstimmen für den Parteitag der Demokraten zur endgültigen Kür eines Präsidentschaftskandidaten vergeben. Laut „New York Times“ wollen 54 Prozent der Demokraten Obama als Präsidentschaftskandidaten und nur noch 38 Prozent Clinton.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2008)