Während die ganze Welt Liechtenstein-Steuersünder jagt, verhält sich Österreich offiziell völlig passiv. Merkwürdig, oder?
Die ganze Welt – von Australien bis in die USA, von Schweden bis Italien – versucht derzeit heftig, an die deutschen Daten über Steuersünder in Liechtenstein zu kommen und ermittelt dann auf Basis dieser Daten, die die Deutschen ja bereitwillig (und neuerdings sogar gratis) hergeben, gegen die Steuerbetrüger im Land.
Die ganze Welt? Nein! Versteckt in den Alpen gibt es ein kleines Land, das die Steuersachen im Ausland zwar aufmerksam und nicht ohne Häme verfolgt, es selbst aber nicht wirklich so genau wissen will. Der Finanzminister lässt mitteilen, dass er sich die Liechtenstein-Daten von den Deutschen zwar notfalls aufdrängen ließe, aber von sich aus natürlich nicht angefordert habe. Die Behörden können demgemäß auch nicht ermitteln. Und so wartet eine ganze Nation geduckt, bis das Unwetter vorüberzieht.
Erstaunlich. Und, ganz nebenbei, nicht sehr geschickt. Denn halb Europa hackt wegen der Steuergeschichten auch auf dem österreichischen Bankgeheimnis herum. Wenn man hier zu Recht argumentiert, dass dieses Bankgeheimnis keine dunklen Machenschaften deckt, gleichzeitig aber mit dem „I will's gar net so genau wissen“ signalisiert, dass man am „Aufblatteln“ von Steuerbetrügern (und nur um die, nicht um legale „Steuersparer“ geht es) nicht sonderlich interessiert ist, dann macht das keinen wirklich schlanken Fuß. Und ist in Hinblick auf die Verteidigung des Bankgeheimnisses auch nicht besonders gescheit. Aber eben sehr österreichisch halt.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2008)