Mit Öffentlichkeitsarbeit soll gezeigt werden, wie wenig wahrscheinlich Unfälle wegen technischer Defekte sind.
WIEN. Die Wiener Linien gehen in die Offensive – gegen Türen, in denen Fahrgäste eingeklemmt werden. Allerdings nicht mit Technik sondern mit Öffentlichkeitsarbeit. Für Journalisten nämlich, die gestern, Mittwoch, zu einer Vorführung in den Betriebsbahnhof Favoriten eingeladen wurden.
„Wie wahrscheinlich ist es wirklich, eingezwickt zu werden?“, fragt Wiener Linien-Sprecher Johann Ehrengruber, um die Antwort vorwegzunehmen: Nicht sehr. Die „böse Rolle“, die die Türen zuletzt spielten, sei auch in der öffentlichen Diskussion zum Teil völlig falsch dargestellt worden.
Als Beispiel nennt er jenen Fall, bei dem im November eine Frau mit Kinderwagen von einer Straßenbahn mitgeschleift wurde. Hier war die Version im Umlauf, dass der Wagen in der Tür stecken geblieben sei. Doch habe sich die Frau später gemeldet und ihre Version geschildert. Die sah so aus, dass der Wagen zu nahe an den Schienen gestanden ist und sich in einem sogenannten „Portal“ – einer Abdeckung zwischen zwei Waggonmodulen – verfangen hat.
Defekt „nicht sehr wahrscheinlich“
Und die anderen Fälle? Im Dezember wurde ein Mann eingeklemmt und zu Tode geschleift, im Jänner wurde ein Bub bei einem ähnlichen Vorfall verletzt. „Wir haben die Waggons überprüft“, sagt Ehrengruber. Alle Sicherheitsmechanismen hätten funktioniert. Dass sie genau einmal ausgesetzt hätten, sei „nicht sehr wahrscheinlich“.
Zur Demonstration spielt Rainer Bartos, Ausbildner für Straßenbahnfahrer, die Sicherheitsvorkehrungen durch. Da gibt es im ULF, dem aktuellsten Wagentyp, etwa eine Lichtschranke. Sollte die versagen, greift der Einklemmschutz – bei Widerstand geht die Tür auf.
Auch bei älteren Garnituren gibt es solche Einrichtungen, die Bartos vorstellt: neben Lichtschranken etwa einen mit Luft gefüllten Silikonschlauch am Innenrand der Türen, der ein Schließen verhindert. Zur Demonstration steckt er einen Arm zwischen die Türen, die ordnungsgemäß wieder aufgeht.
Eine Sicherheitslücke gibt es dennoch – den Spalt zwischen Tür und Trittbrett. „Wenn jemand kleine Füße hat, könnte er sich hier einklemmen“, erzählt er. Doch würde man den Spalt kleiner machen, würde schon ein Stein reichen, um die Tür zu blockieren. „Man kann es nicht zu 100 Prozent sicher machen“, so Bartos.
Austricksen lässt sich das System allerdings auch, wenn die Tür bereits geschlossen ist. Durch die Gummilippen lässt sich dann eine Hand stecken, ohne dass die Sensoren ansprechen. Vor allem Jugendliche würden sich so am Haltegriff festhalten und am äußeren Trittbrett stehend mitsurfen. Das komme bei den alten Garnituren immer noch vor, beim ULF sei das technisch nicht mehr möglich.
Bewegungsmelder im Bus
Bei Bussen gibt es ähnliche Sicherheitsvorkehrungen – Bewegungsmelder und Fühlerkanten an den Gummilippen der Türen, die ein Einklemmen von Fahrgästen verhindern sollen. Und solange nicht alle Türen geschlossen sind, könne ein Bus gar nicht losfahren.
Von technischer Seite zeigt man sich bei den Wiener Linien jedenfalls von der Sicherheit überzeugt. Instruktor Bartos fasst zusammen: „Ein Hosenträger reicht nicht. Wir tragen auch einen Gürtel. Und zusätzlich noch einen Zwirn.“
UNFALLSERIE
Nach einigen Vorfällen mit in Türen eingeklemmten Fahrgästen gab es Vorwürfe, die Technik der Wiener Linien sei nicht sicher.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2008)