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Handelsbilanz-Defizit: Rumänen, esst weniger!

Chefökonom der Nationalbank empfiehlt ungewöhnliche Einsparungen.

BUKAREST/WIEN (p. m.). Die Rumänen sollten weniger ausländische Lebensmittel essen und keine Autos importieren, um das Handelsbilanzdefizit reduzieren zu helfen: Mit dieser „Empfehlung“ an die Landsleute erregte Valentin Lazea, Chefökonom der rumänischen Nationalbank, Aufsehen wie Proteste.

Die Statistik zeigt laut Lazea, dass eben Lebensmittel und Autos jene beiden Posten gewesen seien, die am stärksten zum Minus beigetragen hätten. Seiner Meinung nach „könnte Rumänien ohne diese Importe überleben“. Das Handelsbilanzdefizit des Landes stieg im Vorjahr um 50, jenes bei Lebensmittel um 58 Prozent.


Zu viele Kredite

Finanziert wurde der Abgang vornehmlich durch Neuverschuldung, weil ausländische Direktinvestitionen nur 42 Prozent deckten. 2006 hatten sie noch 91 Prozent des Handelsminus ausgeglichen.

Lazea sieht eine zweite Gefahr durch das „unhaltbare“ Wachstum bei Privatkrediten, speziell in ausländischen Währungen. Die Summe ist nach Nationalbankdaten im Vorjahr um 134 Prozent gestiegen.


Bier-Weltmarken dominieren

Kein ursächlicher Zusammenhang mit dem Handelsbilanzdefizit, sehr wohl aber ein emotionaler besteht bei der jüngsten Biermarkt-Statistik: Während der Konsum erstmals die Marke von einer Milliarde Euro übertraf, stieg der Anteil der „ausländischen“ Biermarken weiter: Nach Angaben des rumänischen Brauereiverbandes hatten seine Mitglieder Heineken Romania, Ursus Breweries (gehört zu SABMiller), InBev Romania und URBB (Tuborg/Carlsberg) einen Marktanteil von 78 Prozent am Gesamtausstoß von 19,4 Millionen Hektoliter Bier. Die ausländischen Marken legten im Vorjahr um 20,2 Prozent zu, der Gesamtmarkt aber nur um 9,6 Prozent. Bere Mures, der größte heimische Bierbrauer, ist auf Investorensuche.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2008)