High-Performer: Vom Offizier zum Bankengeneral

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Erwin Hameseder, 51, Chef Raiffeisen-Holding und RLB NÖ-Wien

Die Wortwahl des ranghohen Offiziers lässt mitunter auf seine militärische Vergangenheit schließen. Etwa, wenn er – auf seine Visionen angesprochen – davon spricht, dass er „Wien erobern möchte“. Den militärischen Ton hat er hingegen fast gänzlich abgelegt. Befreundete Arbeitskollegen hätten ihm schon bei seinem Einstieg bei Raiffeisen vor 20 Jahren nahegelegt, dass man beim Telefonieren „dasselbe auch anders sagen kann.“

„Die Sprache ist im Militär anders, das Resultat verändert sich aber nicht, ob man nun eine Bitte oder einen Befehl ausspricht.“ Als Vorstand habe man schließlich Entscheidungsverantwortung. „Wichtig ist nur, dass alles nachvollziehbar bleibt. Auch im Militär ist das Verständnis für den Befehl wichtig. Es heißt ja: den Auftrag erfassen.“

Der Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien hat mit 1. Juli 2007 auch das Oberkommando in der Raiffeisenlandesbank (RLB) NÖ-Wien übernommen. Ob er als etwas strengerer Chef wahrgenommen wird als sein Vorgänger Peter Püspök, der den Spaß am Arbeitsplatz postulierte? „Ein Unternehmen kann man nicht nur über die Kosten führen, ein wesentlicher Faktor ist, dass die Mitarbeiter im Unternehmen eine zweite Heimat finden. Aber ich mag es nicht, wenn Dinge zu lange diskutiert werden.“ Kostenbewusstsein dürfe freilich nie fehlen: „Wirtschaften heißt, mit vorhandenen Ressourcen das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.“

Letzteres ist ihm in den ersten acht Monaten als General der RLB NÖ-Wien sichtlich gelungen. „Das Jahresergebnis 2007 werden wir ordentlich überschreiten, das Wachstum ist sowohl in der Bank als auch in der Holding zweistellig.“ Ein Expansionskurs ist auch 2008 angesagt. „Wir wollen die führende Bank in der Centrope-Region werden und vor allem in Wien zulegen. Hier sind wir die einzigen, die Bankstellen eröffnen und nicht schließen.“ Zu den rund 1200 Mitarbeitern sollen sich übrigens 60 bis 70 neue dazugesellen.

Ob die Bank auch durch seine Doppelfunktion profitiert? „Die Holding, der ich seit 2001 vorstehe, ist Haupteigentümerin der RLB, die zugleich die wichtigste Tochter ist. Ich habe mich also schon immer intensiv damit beschäftigt.“ Freilich ließen sich vor allem in der Centrope-Region Synergien nutzen. „Wir sehen uns als Netzwerk, das wir auch unseren Kunden anbieten.“

Statt Förster Soldat

Dass Hameseder ausgerechnet aus dem Dorf stammt, in dem die erste Raiffeisenkasse gegründet wurde, nämlich aus Mühldorf in der Wachau, darf als Zufall gewertet werden. Denn der Sohn eines Postbeamten ist nicht gerade erblich vorbelastet. „Geprägt hat mich vielmehr die Landwirtschaft meiner Großeltern, wo ich oft bei der Ernte mitgeholfen habe.“ Der ursprüngliche Berufswunsch, Förster zu werden, scheiterte am Überangebot der damaligen Anwärter in der Waidhofener Forstschule, so wurde es eine Offizierslaufbahn und ein nebenberufliches Jusstudium. „Mich hat die Herausforderung gereizt, als junger Mensch so große Personal- und Entscheidungsverantwortung zu tragen, außerdem kam es auch meiner Naturverbundenheit entgegen.“ Nach dem Studium wollte er sich für einen anderen Posten bewerben, wurde aber „zum Opfer der Parteibuchwirtschaft“. Mit dem Ergebnis, dass der darob verärgerte Offizier 1997 in der Rechtsabteilung bei Raiffeisen anheuerte.

Naturverbunden ist der fast tägliche Pendler, der den Hauptwohnsitz noch immer in seinem Geburtsort hat, auch heute noch. „Meine Kraftquelle ist das Landleben. Ich gehe in jeder freien Minute in der Natur laufen oder mit meiner Frau und dem Hund spazieren.“ Seine Ehefrau sei übrigens ob seines Wechsels in die Wirtschaft sehr glücklich gewesen. „Der militärische Tonfall hat sie schon gestört.“ Diesbezügliche Ecken und Kanten seien ja nun abgeschliffen. Den „wohlgeratenen“ erwachsenen Söhnen, einem Techniker und einem Betriebswirt, hätten die ehemals anderen Töne aber offenbar nicht geschadet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2008)

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