Favorit Credit Suisse will nur Privatkunden-, nicht aber das Immobilien-Geschäft.
WIEN.Die auf wohlhabende Privatkunden und Stiftungen spezialisierten Constantia Privatbank dürfte im Zuge des Verkaufs geteilt werden. Dies erfuhr die „Presse“ aus Finanzkreisen. Als Favorit gilt die Schweizer Credit Suisse. Sie soll aber nur Interesse am Privatkundengeschäft und der Fondsverwaltung für Dritte Interesse haben. Deshalb dürften die Aktivitäten der Constantia Privatbank im Immobiliengeschäft – die Bank managt die Immofinanz und die Immoeast – abgespalten werden. Als heißer Kandidat dafür gilt der US-Fonds Apollo, der in Österreich durch die „Vienna Capital Partners“ von Heinrich Pecina vertreten wird.
Pecina hat jetzt einen ernst zunehmenden Konkurrenten: Der renommierte Investor Rudolf Fries hat 8,6 Prozent an der Immofinanz erworben. Gemessen am aktuellen Börsekurs ist das Paket von Fries rund 280 Mio. Euro wert. Fries hat mit dem Verkauf seiner Anteile an Böhler die Übernahme des Edelstahlkonzerns durch die Voest ausgelöst, und ist größter Aktionär bei Eybl International.
Fries steigt bei Immofinanz ein
„Die Beteiligung zeigt, dass die Immofinanz für langfristig denkende Investoren höchst attraktiv ist“, sagte Immofinanz-Chef Karl Petrikovics. „Das Engagement der Familie Fries wird die Zukunftsperspektiven des Unternehmens weiter verbessern.“
Der Verkauf der Bank ist dem Vernehmen nach auf Schiene. Der Zeitplan sei fixiert, heißt es. Die vertiefte Prüfung (Due Dilligence) durch die Interessenten läuft gerade. Eine Entscheidung wird aber erst im April erwartet. Denn man werde auf jeden Fall das Ergebnis der Prüfung durch die Nationalbank abwarten, die ebenfalls ins Haus steht, heißt es.
Die Finanzmarktaufsicht hat die Untersuchung veranlasst, um vor dem Hintergrund der Turbulenzen rund um die Meinl Bank und Meinl European Land die Verbindungen der Constantia Privatbank zu Immofinanz und Immoeast zu prüfen. Die Constantia-Bank sprach von einer „reinen Routineprüfung“ ohne Anlass. Die Verbindungen der Bank zu den Immobiliengesellschaften seien transparent und lange bekannt. Petrikovics ist auch Chef der Bank.
Aus den Managementverträgen sollen der profitablen Bank rund 80 Mio. Euro zugeflossen sein. Wegen der Immobilienkrise dürften die Erträge stark zurückgehen, die Aktien von Immofinanz und Immoeast haben deutlich verloren.
Das könnte ein Grund für den Verkauf sein. Die Bank wird dem Besitz der Familie Turnauer, konkret Turnauer-Tochter Christine de Castelbajac zugeordnet. Tatsächlich hält Castelbajac direkt nur 4,14 Prozent. 90,86 Prozent des Instituts gehören der holländischen Holding Constantia Packaging B.V., die wiederum an Liechtensteinischen Stiftungen, allen voran einer Areto-Stiftung, hängt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2008)