Vorwahlen in Texas und Ohio: D-Day für Clinton

(c) EPA (Michal Czerwonka)
  • Drucken

Verliert die demokratische Kandidatin Hillary Clinton die Vorwahlen in beiden Bundesstaaten, dürfte ihre Kandidatur am Ende sein.

WASHINGTON/WIEN. Man muss als Politiker schon etwas verzweifelt sein, wenn man freiwillig zur bitter-bösen TV-Comedy-Show „Saturday Night Live“ geht. Denn am Ende sind auch Politiker nur Menschen und mögen es wie jeder nicht sehr, wenn man sich über sie lustig macht.

Die Produzenten der populären NBC-Sendung haben seit Monaten einen Heidenspaß mit Hillary Clinton, und dennoch trat die Senatorin am Wochenende in der Show auf und scherzte darüber, wie „sehr, sehr, sehr gut“ es ihrer Kandidatur geht: „Oder haben Sie etwas anderes gehört?“

Griffiger TV-Spot

Clintons Problem ist, dass die ganzen USA etwas anderes gehört haben. Wenn heute, Dienstag, Texas und Ohio (und auch die weniger bedeutenden Bundesstaaten Vermont und Rhode Island) ihre demokratischen Vorwahlen abhalten, dann ist das Clintons D-Day. Verliert sie sowohl in Ohio als auch in Texas, dann dürfte ihre Kandidatur am Ende sein. Ihr Ehemann Bill hatte die Latte sogar noch höher gelegt: Sollte sie nicht in beiden Bundesstaaten gewinnen, dann „glaube ich nicht, dass sie es schafft“.

Zumindest in Texas sieht es nicht danach aus. Laut allen Umfragen liegt Barack Obama, der die letzten zehn Vorwahlen in Folge gewonnen hat, voran. Eine „Umfrage aller Umfragen“ ergibt laut CNN eine Führung für Obama von durchschnittlich 47 Prozent. Clinton kommt nur auf 45 Prozent. Das liegt zwar innerhalb der Schwankungsbreite, Obamas Führung in Texas hat sich aber seit Wochen erhärtet. In Ohio liegt Clinton dagegen um fünf Prozentpunkte vor Obama (48:43).

Aufschwung bekam die Senatorin in den vergangenen Tagen durch die massive Berichterstattung über ihren letzten TV-Spot. In ihm sieht man schlafende Kinder, während im Weißen Haus ein Telefon läutet: „Es ist drei Uhr früh. Irgendwo auf dieser Welt ist etwas passiert. Wen wollen sie haben, der dieses Telefon beantwortet?“

Obamas Team kritisierte den Spot und warf der Konkurrentin vor, mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Doch das Telefon-Sujet scheint zu funktionieren: 1984 setzte sich Walter Mondale im Kampf um die demokratische Präsidentschaftsnominierung mit einem ähnlichen Spot gegen seinen internen Konkurrenten Gary Hart durch.

Clinton investiert Millionen in die Werbung in den beiden Staaten, die sie sich mittlerweile wieder leisten kann (vor Wochen musste sie wegen Geldmangels fünf Millionen Dollar aus der eigenen Tasche zuschießen). Allein im Februar erhielt sie Wahlspenden in Höhe von 35 Millionen Dollar. Für Obama griffen die Amerikaner freilich noch tiefer in die Tasche: Er kassierte 50 Millionen Dollar.

Den Unterschied kann man auch bei Wahlveranstaltungen sehen. Während sich Clinton bei ihren Auftritten mit ein paar tausend Anhängern bescheiden muss, sind es bei Obama stets 15.000 bis 20.000 Menschen.

Irak und al-Qaida

Die Republikaner scheinen sich schon auf den Afro-Amerikaner als Präsidentschaftskandidaten eingestellt zu haben. Der wahrscheinliche Kandidat John McCain griff Obama wiederholt direkt an und warf ihm zuletzt Ahnungslosigkeit vor. Wenn Obama sage, er würde zusätzliche US-Truppen in den Irak entsenden, wenn sich dort die Terrorgruppe al-Qaida breit mache, „dann habe ich Neuigkeiten für ihn: Al-Qaida ist im Irak“.

Der Konter Obamas: „Ich hab' Neuigkeiten für McCain: Es gab keine al-Qaida im Irak, bevor nicht George Bush und McCain entschieden, dort einzumarschieren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.