London. Nach ersten Gehversuchen im Regiefach versucht sich Madonna nun als Pub-Betreiberin. Und ist damit nicht die erste prominente Lokalbesitzerin.
Eingefleischten Madonna-Fans sagt der Name „Punch Bowl“ schon lange etwas. Seit Monaten kursiert ein Video auf der Internet-Plattform YouTube namens: „Madonna Drunk Punchbowl“. Was so klingt wie die Ankündigung eines scherzhaften Boxkampfes ist der kurze Zusammenschnitt eines sichtlich sehr gemütlichen Abends im Londoner Pub „Punch Bowl“.
Die handelnden Personen: eine ziemlich betrunkene Madonna und ein liebevoller Guy Ritchie (ihr Ehemann), ein paar Freunde und unbekannte Gäste. Madonna steht hinter der Bar am Bier-Zapfhahn, setzt sich zu einer Gruppe von Frauen und singt mit dem hauseigenen Musiker Lieder. Und zwar nicht ihre eigenen.
Das Punch Bowl dürfte Madonna (trotz des Videos) ans Herz gewachsen sein. So sehr, dass sie und Ritchie sich nun dazu entschieden haben, das Pub zu kaufen. Sagt die britische Zeitung „News on the World“. Die Sängerin, die im August 50 wird, und ihr um zehn Jahre jüngerer Mann Guy Ritchie sollen das Anwesen im Londoner Nobelviertel Mayfair gekauft haben. Das Pub gilt als das zweitälteste dieser Gegend – es wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut und hat früher einmal dem Gangster Freddie Foreman gehört.
Eine offizielle Bestätigung gab es bisher noch keine. Lediglich ein Mitarbeiter des Pubs ließ wissen: „Wir kommentieren das nicht, aber in einigen Monaten wird die Öffentlichkeit klüger sein.“ Das heißt wohl: abwarten. Wobei Fans von Madonna, die schon schon jetzt ins „Punch Bowl“ pilgern wollen, gesagt sei, dass ein prominenter Lokalbesitzer noch lange nicht zum regelmäßigen Lokalsitzer werden muss. Wie man bei vielen Stars sehen kann, denen zwar Restaurants gehören, die sich deswegen aber nicht viel öfter darin blicken lassen als davor.
So speist etwa Cameron Diaz nicht dreimal die Woche im „Bambu“ in Miami, obwohl sie seit mehreren Jahren Co-Besitzerin des panasiatischen Restaurants ist (und die Fans sich das wünschen würden). Auch Jennifer Lopez lässt sich in ihrem 2002 eröffneten Lokal Madre's in Los Angeles nicht mehr sehr oft blicken. Vor allem jetzt, als frisch gebackene Zwillingsmutter.
Aber eigentlich hat der Restaurant-Boom unter den Prominenten seinen Höhepunkt längst erreicht. Das Jahr 2002 gilt als das Jahr mit der höchsten Anzahl an Restauranteröffnungen von Stars. Damals hatte auch Britney Spears ihr gastronomisches Glück versucht. In New York. Und kurz darauf einsehen müssen, dass sie es doch beim Singen bleiben lassen sollte. Ihr Lokal „Nyla“ (das pompös, aber bei strömendem Regen eröffnete wurde) in Manhattan überstand nicht einmal das erste Jahr. Was vielleicht auch an der eigentümlichen Speisenauswahl lag, die sich unter anderem aus Spears Lieblingsgerichten (wie gebratenes Huhn nach Südstaaten-Art) zusammensetzte.
Robert de Niro ist hingegen so etwas wie der König unter den Lokalbesitzern. Er ist am Nobel-Asiaten „Nobu“ in Manhattan beteiligt. Und er is(s)t dort selbstverständlich regelmäßig zu Gast.
Der irischen Rockband U2 wiederum gehört nicht nur ein Restaurant („The Tea-Room“), sondern auch das dazugehörige Hotel „The Clarence“ in Dublin. In dem sie nicht nur hie und da nächtigen, sondern auch Musikvideos (auf dem Dach des Hauses) drehen.
Madonna will sich nach ihrem jüngsten Ausflug ins Regiefach (sie stellte in Berlin ihr Regiedebüt „Filth and Wisdom“ vor) offenbar noch ein weiteres Mal in einer anderen Branche beweisen. Hinter dem Zapfhahn macht sie sich schon ganz gut.
PROMIS & LOKALE
Ein beliebtes Hobby unter Prominenten ist das Betreiben eines Lokals. Robert DeNiro ist am Nobu in New York beteiligt, Cameron Diaz ist Co-Eigentümerin des Bambu in Miami. Madonna und ihr Mann Guy Ritchie haben kürzlich das Londoner Pub „Punchbowl“ gekauft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2008)