Angekündigte Sensationen finden manchmal doch nicht statt: Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner hat heute Dienstag, am 78. Tag im BAWAG-Prozess, nicht, wie zuvor in Medien berichtet, über finanzielle Begehrlichkeiten von Parteien "ausgepackt". "Ich weiß nichts von Parteienfinanzierungen", betonte Elsner auf Befragung durch Richterin Claudia Bandion-Ortner, er habe keine "Bombe".
Der ehemalige Generaldirektor der Casinos Austria, Leo Wallner, enthüllte im Zeugenstand, dass er selber ein Prozent am Casino Jericho erworben hatte. Vergangene Woche hatte die Sonderkommission BAWAG im Keller von Ex-BAWAG-Chef Walter Flöttl 20 bis 30 Jahre alte Akten über Unterstützungen der ehemaligen Gewerkschaftsbank BAWAG an ÖGB, SPÖ und Konsum gefunden.
Laut dem Nachrichtenmagazin "profil" solle Elsner während seiner Amtszeit (1995 bis 2003) zumindest einmal von einem SPÖ-Spitzenpolitiker um "Finanzierungen" angegangen worden sein - was Elsner abgelehnt haben will. Elsner war von 1991 bis 2006 SPÖ-Mitglied. Die Frage angeblicher Geldflüsse von der BAWAG an ÖGB bzw. SPÖ ist auch eines der Themen des am Montag beschlossenen parlamentarischen Untersuchungsausschusses.
Historische Rückblicke bis ins Jahr 1987 fanden heute bei der Verlesung von alten BAWAG-Protokollen zu den Karibik-1-Geschäften mit Wolfgang Flöttl statt. Elsner und Hubert Kreuch, damals beide schon im Bank-Vorstand, konnten sich an die Vorgänge nicht mehr erinnern. Auch die Richterin und der Staatsanwalt wüssten wohl nicht mehr, was sie vor 20 Jahren gemacht hätten, empörte sich der Angeklagte. Gutes Erinnerungsvermögen zeigte hingegen Flöttl jun., der mehrmals betonte, wie sehr er der damals von seinem Vater geführten Bank geholfen habe: Er habe die im Zuge des UdSSR-Zusammenbruchs notleidenden Russlandforderungen übernommen und dafür große Kredite zu günstigen Bedingungen von der BAWAG bekommen, um den genommenen Verlust am Kapitalmarkt wieder zurückzuverdienen.
(APA)