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Neue Öffnungszeiten: Naschmarkt auch am Sonntag?

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Der Naschmarkt bekommt in Kürze längere Öffnungszeiten: Die Standbetreiber dürfen dann wochentags bis 24 Uhr, samstags bis 18.30 offen halten.

Wien. Des Sonntags ist der Naschmarkt ziemlich tot. „Warum nur?“, wird Erkan Umar immer wieder gefragt. Warum haben die Lokale am Naschmarkt nicht jeden Tag geöffnet?

Die Frage vieler Touristen kann Umar, Chef des gleichnamigen Fischrestaurants und -geschäfts am Naschmarkt, gut verstehen: Er will, wie einige andere Gastronomen und Händler auch, am Sonntag offen halten. „Das wäre gut fürs Geschäft und gut für Wien“, sagt er. Für ihn ist es unverständlich, dass einer der Touristen-Hotspots der Stadt laut Marktordnung sonntags geschlossen halten muss.

Auch die Essig-Brauerei „Gegenbauer“, einer der Traditionsbetriebe am Markt, fordert die Sonntags-Öffnung. „Es kann nicht sein, dass eine Touristenattraktion wie der Naschmarkt einmal in der Woche zum Ghetto wird“, kritisiert Inhaber Erwin Gegenbauer.

Beim städtischen Marktamt sind die Wünsche nach einer Sonntags-Öffnung bekannt. „Es ist eine kleine Gruppe der Standbetreiber, die ein sehr großes Interesse daran hat“, sagt Andreas Weber, Leiter der Marktamtsabteilung für die Bezirke vier bis sieben. Auch Franz Kopecky, Leiter der Wiener Märkte, bemerkt, dass „die Begehrlichkeit wächst“, geht aber davon aus, dass der Sonntag „in nächster Zeit nicht angerührt wird“.

Immerhin: Der – von Lokalen und der Mariahilfer Bezirksvorstehung oft gehörte – Ruf nach längeren Öffnungszeiten an Werktagen wird nun erhört. „Auf allgemeinen Wunsch“, wie Kopecky sagt, werden diese per Magistrats-Verordnung „in den nächsten zwei Monaten“ ausgeweitet. Von den Interessenvertretern (Wirtschaftskammer etc.) gibt es dafür Zustimmung. Damit dürfen Standbetreiber wochentags bis Mitternacht (bisher bis 23 Uhr) offen halten. An Samstagen müssen sie künftig um 18.30 Uhr (bisher 17 Uhr) sperren.

Ein großer Schritt in Richtung Liberalisierung der Öffnungszeiten? Eher nein. Vielmehr „eine Anpassung an den Status quo“, wie es Renate Kaufmann (SP), Bezirksvorsteherin von Mariahilf, formuliert. Denn schon jetzt halten viele Lokale bis Mitternacht (und länger) offen – und die Marktamt-Kontrollore sehen großzügig weg.

Was die Sonntags-Öffnung betrifft, gibt sich die Stadt weniger liberal. „Wir haben kein Problem damit, darüber zu reden“, sagt Marktamtsleiter Weber. Skeptisch bleibt er doch. Zum einen, weil die Händler am Sonntag nicht aufsperren würden, wie er vermutet. „Und ein Markt mit Gastronomie allein würde nicht funktionieren“, glaubt er. Ein weiteres Argument gegen die Sonntagsöffnung – die zusätzlichen Kosten für Müll, Beleuchtung etc. – lässt Gegenbauer nicht gelten. „Dass das eine Rieseninvestition wäre, ist mir klar“, sagt er. Und wäre bereit, dafür mehr Miete zu zahlen.


Keine Öffnung während EM

Noch dürfte die Mehrheit am Markt für den geschlossenen Sonntag sein. Käme aber das Okay, dann „würden die anderen nachziehen“, hofft Gegenbauer. Und liegt damit gar nicht so falsch. „Deli“-Chef Mustafa Dogan ist zwar gegen den geöffneten Sonntag, „ich würde aber vermutlich aufmachen müssen, wenn es die anderen tun“.

Würde es sich aber überhaupt rentieren? „Die Fußball-EM wäre ein guter Testlauf,“ sagt Gegenbauer. Wäre. Denn die Sonntags-Öffnung während der Euro im Juni gilt für Wiens Märkte nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2008)