Alter Liberaler sucht jungen Rechten

REPUBLIKANER. John McCain braucht einen „running mate“, der Konservative anspricht und jung ist.

WIEN/WASHINGTON. „Abba“ war wenig angetan: John McCain möge bitte aufhören, ihr Lied „Take a Chance on Me“ bei seinen Parteiveranstaltungen zu verwenden, ließ die schwedische Popgruppe den Republikaner wissen. „McCain war wenig irritiert“, scherzte NBC-Late-Night-Talkmaster Conan O'Brien. „Er meinte nur: Wer hört schon Abba? Die heutige Jugend hört Bee Gees.“

In Wirklichkeit war John McCain schon in den 60er-Jahren zu alt, um noch „Bee Gees“ zu hören. Die Musik seiner Jugend kommt von Elvis Presley – und das zeigt schon das größte Problem von McCain: Der Mann ist uralt.

72 Jahre wird der ehemalige Vietnam-Kämpfer sein, wenn er sich im November der Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten stellt. Älter als Ronald Reagan, der 69 Jahre alt war, als er 1980 die Präsidentschaftswahl gewann. Sollte McCain Präsident werden und 2012 erfolgreich wiederkandidieren, dann würde er seine Amtszeit bis in sein 80. Lebensjahr ausweiten – länger, als die durchschnittliche Lebenserwartung eines männlichen US-Bürgers.

„Noch nie war die Entscheidung für einen Vizepräsidenten so wichtig“, meinte Paul Light von der New York University. Denn McCain braucht nicht nur einen vergleichsweise jugendlichen Vizepräsidenten, er braucht auch einen, der das rechte Lager der Partei anspricht.

Mit konservativen Republikanern hat der Senator aus dem Bundesstaat Arizona seit jeher ein Problem. Seine politischen Ansichten sind ihnen zu liberal. Derart weit links steht McCain, dass ihn 2004 sogar der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry als „running mate“ haben wollte.

Noch sind die Spekulationen über mögliche Vizepräsidentschaftskandidaten wild, da McCain erst mit den Siegen bei den Vorwahlen in Texas und Ohio in der Nacht auf Mittwoch auf die für eine Nominierung erforderlichen 1191 Delegiertenstimmen kam. Mike Huckabee, der bis jetzt im Rennen blieb, gab nach den neuerlichen Niederlagen auf. „Ich werde alles tun, um die Partei zu vereinen und uns einen Sieg zu garantieren“, meinte Huckabee in seiner Abschiedsrede.

Als potenzieller Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten wird immer der Gouverneur von Florida, Charlie Christ, genannt: 51 Jahre alt, Chef eines wichtigen „Swing-State“ (der einmal republikanisch, einmal demokratisch stimmt) und vor allem großer Helfer von McCain. Die Unterstützung Christs garantierte dem Senator den entscheidenden Sieg bei den Vorwahlen in Florida.

George Allen ist ein weiterer möglicher „Veep“. Er war Senator aus dem Bundesstaat Virginia und selbst im Gespräch für eine republikanische Präsidentschaftskandidatur, bevor er 2006 die Wiederwahl für den Senat verlor, weil er einen Inder als „Macaca“ bezeichnet hatte. Allen ist ein Liebling der Konservativen und tief in religiöse Organisationen verwurzelt.

Mark Sanford, derzeit Gouverneur von South Carolina, mangelt es zwar an den engen Beziehungen zu den konservativen Lagern, er hat aber strenge finanzielle Disziplin in seinem Bundesstaat bewiesen – etwas, das Republikanern fast ähnlich wichtig ist wie ein Nein zur Abreibung. Seit Reagan sieht sich die Partei als Kämpfer für eine schmale Regierung, wenig Bürokratie, freies Unternehmertum und finanzielle Disziplin.

Keine Chance für „Arnie“

Sanford setzte Kürzungen bei den Steuern auf Eigentum und für Kleinunternehmen durch. Er legte sein Veto gegen viele Gesetzesvorlagen ein, die neue Ausgaben vorgesehen haben, und er ist jung: Geboren 1960.

Weniger Chancen haben die ehemaligen Konkurrenten McCains um die Nominierung, Huckabee und Mitt Romney. Ersterem fehlt die finanzielle Disziplin, als Gouverneur von Arkansas führt er neue Steuern ein und vergrößerte das Defizit. Romney hätte zwar einen Ruf als guter Geschäftsmann und effizienter Verwalter von seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts. Doch im Wahlkampf ritt er derart scharfe Attacken gegen McCain, dass der Senator zweifellos ein persönliches Problem mit Romney hat.

Dass Arnold Schwarzenegger die Ehre zuteil wird, wie einige hoffen, ist unmöglich. Zwar sagt die US-Verfassung nichts explizit über den Geburtsort des Kandidaten. Da aber nur jemand Präsident werden kann, der auf US-Staatsgebiet geboren ist, fällt der gebürtige Österreicher auch als Vizepräsident aus, weil er dem Präsidenten nicht nachfolgen könnte.

Das Team von McCain behauptet, es gebe bisher weder eine Liste mit Namen für den „Veep“, noch habe das Auswahlverfahren überhaupt begonnen. Der Kandidat selbst erklärte nach seinem Sieg, man werde sich jetzt hinsetzen und in aller Ruhe die nächsten Schritte überlegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2008)

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