„Bildung für Rita“. Katharina Straßer und Erwin Ebenbauer spielen in Hochform Komödie. Das wurde vom Volkstheater in den Bezirken am Mittwochabend bewiesen.
Zwei Schauspieler, eine einfache Guckkastenbühne und ein Text voller Esprit – mehr bedarf es nicht, um einen mitreißenden Abend zu gestalten. Das wurde vom Volkstheater in den Bezirken am Mittwochabend bewiesen. In der Längenfeldgasse in Meidling hatte Willy Russells „Bildung für Rita“ aus dem Jahre 1980 (damals Komödie des Jahres) Premiere. „Educating Rita“, 1983 mit Julie Walters und Michael Caine höchst erfolgreich verfilmt, ist für die im Vorjahr mit dem Nestroy- und dem Skraup-Theaterpreis bedachte Katharina Straßer in der Rolle der bildungshungrigen Friseuse Rita wie maßgeschneidert. Sie meistert dieses Charakterfach locker.
Kongenial passt dazu Erwin Ebenbauer als fünfzigjähriger Alkoholiker und Literaturprofessor Frank, der Rita im Rahmen der „Open University“ Einzelunterricht gibt und dabei lernt, wieder kreativ zu sein. Die Regie (Michael Gampe) ist unprätentiös, braucht keine Übertreibung. Auch die Bühne (Hans Kudlich) wirkt zweckorientiert: Zwei Sessel, ein Schreibtisch, ein Tischchen, ein Bücherregal, wo der Professor hinter Wälzern von Elliot oder Dickens seinen Whisky verstecken kann: „Kein Mann trinkt zu seinem Vergnügen!“, behauptet er und findet dafür schönste Dichterzitate.
Straßer spielt anfangs die unverbildete junge Frau mit der nötigen Portion Vulgarität und auch mit Herzenswärme. Sie setzt die Pointen exakt und arbeitet kontinuierlich an der Wandlung, die sie in diesen zwei Stunden durchmacht, die Sprache des Arbeitermilieus wird ersetzt durch eine poetische. Auch Ebenbauer (unlängst mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Wien geehrt) spielt die Entwicklung, die auch Brüche bringt, mit Subtilität. Sein anfänglicher Zynismus weicht dem Dialog mit einer verwandten Seele, das Drama ist zugleich auch ein Grundkurs der Poetik: Die Schönheit der Texte von E. M. Forster, William Blake oder Anton Tschechow blitzt auf, und spätestens bei der Analyse von „Peer Gynt“ wissen Rita und Frank: Sie müssen ihr Leben ändern. Für beide hat diese Auseinandersetzung mit Literatur gravierende Konsequenzen.
Alle für die Katz'?
Frank, durch Rita kurzfristig wiedererweckt im Schreiben, erkennt das Falsche an seinen dichterischen Versuchen, bei ihr hingegen kommt es geradezu zu einer Entwurzelung. Sie muss sich künftig zwischen den Milieus einrichten. Endet diese herbe Komödie als Liebesgeschichte? Wer weiß, bei Russell bleibt alles offen: „Vielleicht ist letzten Endes alles für die Katz' gewesen, aber ich hatte die Wahl“, sagt Rita nach bestandener Prüfung. „Ich habe mich gewählt. Wegen dem, was du mir gegeben hast.“ Das klingt, von Straßer vorgetragen, gar nicht pathetisch, sondern berührend. Starker Applaus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2008)