Die Parteiaristokratie wird das Duell zwischen Clinton und Obama um die demokratische Präsidentschafts-Nominierung letztlich entscheiden.
Washington/Wien. Die römische Geschichte zu strapazieren, wäre übertrieben: Ein Pyrrhussieg war es nicht, den Hillary Clinton in Texas, Ohio und Rhode Island feierte. Aber viel gebracht hat ihr dieser Erfolg bei den Vorwahlen zumindest bei der Zahl der Delegierten nicht: Sie konnte den Abstand auf ihren parteiinternen Konkurrenten Barack Obama nach vorläufigen Berechnungen um gerade einmal zwölf Delegierte verkürzen. Obama liegt damit weiterhin mit 140 Delegierten in Führung.
Arithmetik auf Obamas Seite
Es scheint fast unmöglich, dass Clinton in den verbliebenen zwölf Vorwahlen Obama überholt. Insgesamt werden noch 611 Delegierte vergeben. Laut Berechnungen müsste die Senatorin aus New York jede dieser Vorwahlen mit einem Vorsprung von mehr als 15 Prozentpunkten gewinnen. Vor ihrem vor allem in Texas überraschenden Erfolg am Dienstag lag diese Zahl bei elf Prozent. Die Siege in den drei Bundesstaaten vor drei Tagen fielen also zu knapp aus, um sie wieder ernsthaft ins Rennen zu bringen.
Die teils seltsame Wahlarithmetik bei den Demokraten führte etwa dazu, dass Obama nach Auswertung aller Detailergebnisse in Texas mit mehr Delegiertenstimmen rechnet, als Clinton, die hier mit knapp 51 Prozent der Stimmen gewann.
Schon morgen, Samstag, findet die nächste Vorwahl in Wyoming statt und am kommenden Dienstag in Mississippi. In beiden Staaten liegt Obama leicht voran. Der nächste große Bundesstaat, der über die demokratischen Kandidaten abstimmt, ist Pennsylvania am 22. April. Dort geht es um 188 Delegierte.
Clinton geht nach ihren jüngsten Siegen mit Schwung und neuer Motivation in diesen Urnengang. Laut Umfragen liegt sie in Pennsylvania mit sechs Prozentpunkten vor dem Senator aus Illinois (49 zu 43 Prozent). Nach Pennsylvania finden am 6. Mai noch einmal große Abstimmungen in Indiana und North Carolina statt (218 Delegierte), der Vorwahlzyklus endet am 7. Juni mit Parteiversammlungen in Puerto Rico.
Obama dürfte bis dahin seine Stimmenführung behaupten, aber nicht über die für eine Nominierung erforderlichen Delegiertenzahl von 2025 kommen. Deshalb wird von beiden Kandidaten intensiv um die sogenannten Super-Delegierten geworben – jene hochrangigen Parteimitglieder, die nicht an die Ergebnisse der Vorwahlen gebunden sind und frei abstimmen können.
Demokraten vor McCain
Clintons Team hat 20 Mitarbeiter abgestellt, die sich nur um die Unterstützung dieser insgesamt 796 Super-Delegierten bemühen. Die ehemalige First Lady liegt unter diesen Mandataren leicht voran.
Heftig diskutiert wird auch, was mit den Delegierten aus Florida und Michigan passiert, die die Partei nicht anerkennen will, weil die Staaten früher als erlaubt gewählt hatten. Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten führten in diesen Staaten keinen Wahlkampf, Clinton gewann beide Abstimmungen. Sie will diese Delegierten beim Nominierungsparteitag nun mitstimmen lassen, Obamas Team wehrt sich.
„Niemand will, dass sich dieser Kampf bis zum Parteitag (Ende August, Anm.) zieht, vor allem weil wir die Chancen haben, das Weiße Haus zu gewinnen“, meinte der demokratische Abgeordnete John Larson. Er und andere Politiker forderten die Parteiführung auf, einen selbstzerfleischenden Kampf zu verhindern.
Beide demokratische Kandidaten scheinen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain laut einer Umfrage der „Washington Post“ schlagen zu können: Obama mit 52 Prozent (zu 40), Clinton mit 50 (zu 44).
SUPERDELEGIERTE
Seit 1982 gibt es die Superdelegierten, die der Partei Einfluss bei der Auswahl der Präsidentschaftskandidaten geben sollen. Sie setzen sich aus hochrangigen Funktionären, Ex-Präsidenten, Senatoren und Kongressabgeordneten zusammen. Es gibt insgesamt 796 Superdelegierte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2008)