AUA: Kleinanleger drohen mit Krieg

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Aktionärsrechte. Kaufpreis und Kapitalgarantie für Al Jaber sind Knackpunkte der Hauptversammlung.

wien.„Ich werde nicht zulassen, dass ein einzelner Aktionär – nämlich der Geschäftsmann Mohamed Bin Issa Al Jaber – bevorzugt wird.“ Der streitbare Investor Rupert-Heinrich Staller, der nach einem kurzem Intermezzo bei Meinl European Land in seine ursprüngliche Rolle als Kämpfer für Aktionärsrechte zurückgekehrt ist, macht den Einstieg des saudisch-österreichischen Milliardärs bei der AUA noch einmal spannend.

Heute, Montag, wird der Deal – Al Jaber investiert 150 Mio. Euro und erhält dafür rund 22 Prozent an der AUA – wahrscheinlich ohne Probleme vom ÖIAG-Aufsichtsrat abgesegnet, am Mittwoch folgt das Kontrollgremium der AUA. Damit ist der Pakt, für den sich vor allem AUA-Boss Alfred Ötsch stark gemacht hat, weil die Kapitalspritze die Expansion in den Nahen und Mittleren Osten ermöglicht und damit der Alleingang der Airline garantiert ist, aber noch nicht perfekt. Es fehlt die Zustimmung der Hauptversammlung am 7. Mai – und dafür wetzen Staller – und auch der Präsident des Interessenverbandes der Kleinanleger, Wilhelm Rasinger – die Messer.

Dass eine Forderung, nämlich das Bezugsrecht für alle bestehenden Aktionäre, erfüllt worden ist, stimmt Staller nicht milde. Seine Kritik zielt auf die ÖIAG und die AUA-Spitze gleichermaßen:

ÖIAG muss alle informieren

• Ein wesentlicher Bestandteil einer solchen Kapitalerhöhung – genauer gesagt eines Bezugsangebots an bestehende Aktionäre – sei die detaillierte Information aller Aktionäre durch die ÖIAG und den AUA-Vorstand rechtzeitig vor der Hauptversammlung. Nicht nur der Banken und Versicherungen, die im Syndikat mit der ÖIAG die AUA-Mehrheit halten. „Das ist ganz wesentlich für die Entscheidung, ob man mitzieht oder nicht.“

• Bedenken hat Staller auch zum Kaufpreis von 7,10 Euro je Aktie. „Wenn das in Aussicht gestellte positive Betriebsergebnis 2007 den Kurs der Aktie nahe bzw. über 7,10 Euro treibt – und vor allem angesichts eines Eigenkapitals von über neun Euro je Aktie –, bekommt Al Jaber das Paket zu billig“, spricht Staller von Verschleuderung. Für ein so großes Aktienpaket müsse ein Investor zusätzlich eine Prämie zahlen. Stallers Befürchtung ist nicht ganz unbegründet: Vergangene Woche war die AUA gegen den allgemeinen ATX-Trend Gewinner der Woche und legte um 8,3 Prozent auf 5,60 Euro zu.

• Auf der anderen Seite stelle sich laut Staller die Frage, warum die Aktionäre, die ohnehin durch den massiven Kursverfall der vergangenen Jahre viel Geld verloren hätten, jetzt bei 7,10 Euro mitziehen sollten. Als Trostpflaster könnte er sich einen Rabatt vorstellen, wie es ihn schon bei der letzten Kapitalerhöhung Ende 2006 gegeben hat.

• Besonders hart ins Gericht zieht Staller mit der „Kapitalgarantie“: Al Jaber muss laut Vereinbarung sein Aktienpaket an die ÖIAG zurück verkaufen, wenn es zu einer Privatisierung der AUA kommt. Für diesen Fall erhält Al Jaber zumindest 7,10 Euro pro Aktie. „Ich lasse gerade von Juristen prüfen, ob ich diesen Vorteil Al Jabers auch für mich als AUA-Aktionär auf dem Rechtsweg einfordern kann“, kündigt Staller im Gespräch mit der „Presse“ an. Würde das Gericht Staller Recht geben, wäre dies ein Präzedenzfall mit weit reichenden Folgen.

Rasinger schießt sich ebenfalls auf den Preis ein. Unabhängig davon kritisiert der IVA-Präsident aber die generelle Strategie der AUA. Es stelle sich die Grundsatzfrage, „ob die AUA in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld den Alleingang durchhalten kann“, meint Rasinger. Das Geld von Al Jaber verleite nur dazu, „weiter zu wurschteln“. Für Rasinger ist Al Jaber kein strategischer Investor. Wenn man einen solchen wolle, dann müsse man das offen sagen. Die Bilanz 2007 (sie wird am Donnerstag präsentiert, Anm.) falle sicher viel besser aus, meint Rasinger, aber er habe sich angesichts des weltweit exzellenten Jahres für die Luftfahrt mehr erwartet.

„AUA ist noch nicht saniert“

Da hakt Staller ein. Auch er sieht die AUA nicht nachhaltig saniert, auch wenn Ötsch dies jüngst behauptet habe. „Wenn das so ist, warum braucht die AUA dann schon wieder Geld, so kurz nach der großen Kapitalerhöhung Ende 2006?“, ätzt Staller. Damals habe Ötsch versichert, die AUA habe keinen weiteren Kapitalbedarf. „Sollte man jetzt doch wieder Geld brauchen, dann muss ich den Schluss ziehen, dass Ötsch als Sanierer gescheitert ist.“ Für die Anschaffung von zwei neuen Flugzeugen bedürfe es keines Al Jaber – das könne die AUA auch über Kredite finanzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.