Erwartete US-Zinssenkung wird den Druck auf den „Greenback“ noch deutlich verschärfen.
new york (Bloomberg). Morgan Stanley hat die Prognose für den Dollarkurs gegenüber Euro, Yen und Pfund erneut gesenkt. Die Abkühlung der US-Wirtschaft werde die Attraktivität von Dollar-Anlagen schmälern, argumentiert die zweitgrößte US-Investmentbank.
Zur Jahresmitte sieht sie den Dollar bei 1,55 Dollar je Euro, während sie zuvor von 1,41 Dollar ausging. Zum Yen reduzierten die Analysten um Stephen Jen in London ihre Prognose von 103 Yen je Dollar auf 97 Yen und zum Pfund von 1,94 Dollar je Pfund auf 1,99 Dollar. „Der Ausverkauf beim Dollar in letzter Zeit ist sowohl endgültig als auch durch wirtschaftliche und politische Veränderungen gerechtfertigt“, schrieb Jen in der Studie. Die Schwäche des Dollars sei außergewöhnlich.
Seit Jahresanfang hat die US-Währung gegenüber 14 der meistgehandelten 16 Währungen verloren. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Federal Reserve Bank die Leitzinsen weiter senken wird, um eine Rezession abzuwenden. Dagegen hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag signalisiert, dass er es mit Zinssenkungen nicht eilig hat. Das trieb den Euro zum Dollar weiter nach oben. Am Freitag war der Dollar zum Euro auf ein neues Rekordtief bei 1,5430 Dollar je Euro gefallen.
Für den Yen erwartet Morgan Stanley in diesem Jahr eine anhaltende Rally zum Dollar, da Investoren angesichts einbrechender Kurse bei Aktien sich aus den sogenannten Carry-Trades zurückziehen. Bei diesen Zinsarbitragegeschäften leihen sich Anleger Geld in einer Niedrigzinswährung wie dem Yen und investieren es in höher rentierliche Anlagen. Seit Jahresanfang hat der Yen zum Dollar 9,1 Prozent gewonnen. „Risikomotivierte Korrekturen könnten den Dollar leicht drücken“, so Jen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2008)